Hällevik bis Figeholm

Leider hält das Wetter immer nur einen Tag. Doch wir haben Urlaub und da ist es egal, wo wir liegen, die Hauptsache, wir liegen geschützt. Abends spielen wir bei Willings an Bord „America" oder „Lobo 76". Hanne ist ganz versessen darauf, Schienen kreuz und quer durch die USA zu verlegen. Dabei nehmen die Rotweinvorräte merklich ab.

peer gynt 2013 02Am Montag können wir endlich weiter. Hier trennen sich unsere Wege, aber wir bleiben über Funk miteinander verbunden. Wie üblich haben wir achterlichen Wind, aber das Schmetterlings-Segeln beherrschen wir inzwischen ja perfekt. Am Schärengarten vorbei erreichen wir nach fast acht Stunden unseren Lieblingsankerplatz östlich von Karlskrona. Nun kann der Urlaub beginnen, – obwohl wir schon längst mittendrin sind, wie der Berliner sagt. Doch die Blaubeeren sind noch nicht so weit. Wir rufen Achim und Hannelore Niestroy an, Berliner aus dem JSC, die wir schon Jahrzehnte vom Segeln her kennen und die seit zehn Jahren hier in der Nähe wohnen. Wir verabreden uns für morgen.

Das heißt natürlich früh aufstehen. Und der Sommer meint es gut mit uns. Anfangs können wir recht gut segeln, später müssen wir die Maschine mitlaufen lassen. Bis Kristianopel sind es 25 sm, die wir in sechs Stunden bewältigen – und da liegt auch Hanne. Nachmittags kommen Niestroys und bringen Kaffee und Kuchen mit. Es wird viel erzählt, von alten Zeiten aber auch vom Leben in Schweden. Und echte Schweden sind sie in der Zeit schon geworden. Es waren vier vergnügliche und interessante Stunden. Den Abend verbringen wir bei einem Spaziergang mit Willings auf den Festungswällen der ehemaligen dänischen Garnison von Kong Christian. Na klar: und danach gibt es Rotwein.

Am nächsten Tag, Mittwoch, den 03.07., haben wir wieder unser beliebtes „Blisterspiel": Genua raus, dann wird der Wind schwächer, also Genua eingerollt, Blister raus. Kaum sind wir richtig in Fahrt schläft der Wind ein. Zum Glück haben wir eine Maschine. Bis zum Nachmittag ist Kalmar erreicht. Leider funktionieren meine Kreditkarten nicht mehr. Nur an das Sparbuch kommen wir noch ran. Da ist guter Rat teuer. Ich rufe meine Bank an und die erklärt mir, dass sie die EC-Karte nur noch in Euro-Ländern gültig sei, aber er könne meine bis Ende Juli für Schweden freischalten. Meine Visa-Karte ist in der Mitte gebrochen – warum auch immer? – Deshalb habe ich sie mit einem Streifen Tesa zusammengehalten. Dummerweise verlief dieser auch über den kleinen Chip – ja, und das war das Problem. Drei Zentimeter weniger Folie und auch diese Karte funktionierte wieder. Daraufhin sind wir sofort groß einkaufen ins „Giraffen", einem Einkaufszentrum in Kalmar, gegangen. 45 Minuten locker und beschwingt hin und 45 Minuten voll bepackt wie ein Lastesel zurück. Das verhinderte jede weiteren Aktivitäten – außer einem Glas Rotwein bei Hanne.
Am Donnerstag hieß es dann endgültig Abschied nehmen. Hanne will an Ölands Küste entlang und dann nach Gotland, wir wollen in den Schären bleiben. In einer Kurzetappe wechseln wir nur das Ufer. Nach 8 sm machen wir Stora Rör fest. Im Hafen hat sich einiges verbessert und er ist allemal eine Übernachtung wert, ruhig, idyllisch, ursprünglich. Er erinnert mich sehr an Hårbølle.

Am Freitag lassen wir es geruhsam angehen. Doch der Wind lockt. Mit achterlichem Wind machen wir so gute Fahr, dass wir unser eigentliches Ziel, Lackhamn, aufgeben und gleich die nächste Etappe mit machen. Am späten Nachmittag laufen wir in eine von allen Seiten geschützte, kleine Bucht ein. Wir sind ganz alleine. Das Ufer ist so tief, dass die Peer Gynt längsseits am Felsen, gut gesichert mit Fendern, festgemacht werden kann. Hier gibt es Blaubeeren der Handelsklasse 1, sogar reif! Wir kämpfen gegen Mücken und Zecken, aber nach einer Stunde ist der Nachtisch im Töpfchen und eine Zecke in meinem Arm.

Gegen Morgen dreht der Wind auf Nord und drückt uns auf die Felsen. Im Schlafzeug legen wir ab und verholen uns in die Mitte der Bucht. Dann wir gebadet (16° C) und gefrühstückt. Doch wir wollen nicht weg. Es ist ein so schöner Sommertag, es ist der 19. Tag auf dem Schiff, so dass wir beschließen in diesem Paradies zu bleiben. Per „Tender" setzen wir zum Ufer über uns sammeln, was die Natur so bietet: Blaubeeren, Walderdbeeren und Pfifferlinge.

Begeistert scheibe ich meiner Tochter, dass wir im Paradies seien. Die Antwort kommt prompt: „Keine Äpfel essen!" Renate liest die SMS und entrüstet sich, was diese Warnung soll. Ich klärte den Zusammenhang und wir haben herzhaft geschmunzelt.

peer gynt 2013 03Sonntag, der 07.07.13. Wir verlassen das Paradies, weil es hier noch viele gibt und segeln nach Figeholm. Hier können wir waschen und bügeln und hier habe ich freien Internetanschluss. Und abends gibt es traditionell eine Take-off-Pizza. Dass mit der Wäsche klappte hervorragend, die Pizza habe ich aber leider nicht vertragen. Nachts bekam ich Bauchkrämpfe und ich musste mich übergeben, morgens plagte mich Durchfall. Keine Chance, weiterzusegeln, Hafentag. Nun aber geht es mir schon wieder so gut, dass ich Lust habe, zu schreiben. Mal sehen, was die nächsten Tage bringen. Der Sommer soll wenigstens noch zehn Tage halten. Sturm und Unwetter sind nicht in Sicht.

Also, bis dann, Peter und Renate

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