Oskarshamn bis Karlskrona

Die Sonne weckt uns, das Wasser ist klar und warm. Um das Schiff herum tummeln sich unzählige silberglänzende Fischchen, ich vermute, es sind Heringe wegen des bläulichen Streifens am Rücken. Das hält uns aber nicht davon ab, ins Wasser zu springen. Nach dem erfrischenden Bad bleibe ich auf der Heckplattform sitzen, die Beine im Wasser, bis ich bemerke, dass etliche dieser kleinen, quicklebendigen Fische an meinen Füßen knabbern. Das tut nicht weh, aber es erschreckt mich doch. Alles um uns herum ist so schön und friedlich und ruhig, dass wir beschließen, noch einen Tag zu bleiben. Es wird ein Blaubeer- Gammel-Sonnentag. Am Nachmittag und bis in den späten Abend hinein kommen immer mehr Boote – zuletzt eine Bavaria aus Litauen -, so dass es im Hafen nicht voller sein kann.

Am Sonntag stehen wir früh auf, sind aber nicht die ersten. Ein schwacher Südwind treibt uns voran. Außerhalb des Schärenfahrwassers, im Kalmar-Sund, erhoffen wir uns bessere Bedingungen. Leider erfüllt sich unsere Hoffnung nicht. Das Schiff läuft zwar mit drei Knoten akzeptabel schnell, aber die Höhe reicht nicht, um an Ölands Küste südwärts zu segeln. Nördlich von Borgholm entschließe ich mich, die Genua zu bergen und mit der Maschine die letzten 8 sm nach Stora Rör zu fahren. Doch beim Einrollen des Vorsegels spüre ich Druck. Tatsächlich, der Wind hat in diesem Moment auf West gedreht und legt ordentlich zu. Also, alles zurück und auf neuen Kurs. Nun wird es doch noch sportlich. Mit durchschnittlich 5 kn Fahrt sind wir in neunzig Minuten im Zielhafen. Dieses Mal ist er bedeutend voller. Dennoch haben wir Glück und finden für unsere acht Meter ein sehr ruhiges Plätzchen gleich hinter der Hafenmole. Die abendliche Idylle wird leider durch eine heraufziehende Gewitterfront getrübt. Es dauert nicht lange, bis die ersten Windböen einfallen und der Regen die tanzenden Gäste im Ausflugslokal am Hafen vertreibt. Damit endet auch leider die gute Musik, die das Tanzorchester bis dahin gespielt hat. Ab jetzt gibt das Wetter den Ton an. Wir verziehen uns unter die Kuchenbude und lauschen der Musik, die der heulende Wind, das prasselnde Wasser und der Donner spielen.

Der Maler von MörbylångaDas Barometer steigt wieder und der Wind bläst aus Südwest. Nicht gerade das, was ich mir erträumt habe. Da wir nur 16 sm bis Mörbylånga geplant haben, brauchen wir uns auch nicht zu beeilen. Bis Kalmar soll die Maschine den Vortrieb leisten und dann schauen wir mal. Doch der Wind wird immer stärker. Ich überzeuge Renate davon, dass bei dieser Wetterentwicklung Öland kein günstiger Ort sei. Kalmar wollen wir nicht, bleibt also als Alternative nur Ekenäs, 5 sm südlicher. Mehr wollen wir uns nicht zumuten. Doch bald wird uns klar, dass sich das nicht realisieren lässt. Wegen der vielen Klippen kommen wir nicht dicht genug an die Festlandküste und die 3 sm reichen, um eine unangenehm grobe See entstehen zu lassen. Zudem hat der Wind nun schon bestimmt 5 Bft. erreicht. Das Schiff läuft nicht mehr. Phasenweise erzeugt die Schraube keinen Vortrieb mehr. Es hilft alles nichts mehr, ich falle ab ich laufe doch Mörbylånga an. Ob das richtig ist, wird sich morgen entscheiden. Vor den Molen steht eine beachtliche Grundsee. Doch da im Hafen viel Platz ist, schaukeln wir mit viel Fahrt hinein und finden im hinteren Winkel einen einigermaßen ruhigen Liegeplatz. Die Kommune hat ein neues, einem Schiffsrumpf nachempfundenes Sanitärgebäude errichten lassen. So etwas Feines habe ich in den Häfen der Ostsee noch nicht gesehen.

Abgesehen von der neuen und fast luxuriösen Ausstattung sind die Räume liebevoll eingerichtet. Es gibt Literatur und Informationen in den Vorräumen, Blumen auf den Tischen und maritime Accessoires auf den Fensterbrettern. Für Wartende stehen Stühle bereit und der Müll verschwindet in einem separaten Raum. Der Bug dieses schiffsähnlichen Gebäudes beherbergt einen großzügig verglasten Gemeinschafts- und Versammlungsraum. Mörbylånga selbst hat sich nicht verändert, es ist nach wie vor ruhig und verträumt. Den Kontrast dazu bildet das Wetter. Mein Anemometer zeigt eine Windgeschwindigkeit von 14 bis 15 m/Sek. an. Wir sitzen in der Falle.

Dienstag, 16. Juli: Wir haben den Wecker auf 6 Uhr gestellt, sind aber schon vorher wach. Der Wind heult nicht mehr. Im Schlafanzug flitze ich an die Mole. Auch die Wellen sind weg oder besser gesagt, nur noch unbedeutend. Duschen muss sein bei dieser Qualität. Dennoch legen wir um 08.30 Uhr ab. Der Sollkurs von 216° ist nicht zu schaffen. Also Wende und so schnell wie möglich an die Festlandküste. Von dort aus wollen wir dicht unter Land so weit wie möglich nach Süden. Wer weiß, was die nächsten Tage bringen. Die Meteorologen wissen es jedenfalls nicht. Unter Land lässt sich das recht gut segeln, vor allem schnell. In Höhe Bergkvara muss gerefft werden, der Wind weht jetzt mit 4 bis 5 Bft. aus Südwest. Aber es regnet nicht, zumindest kein Süßwasser. Die Salzwasserduschen nehmen zu, doch unser Sprayhood bewährt sich ein ums andere Mal. Gegen Mittag befinden wir uns in Höhe Kristianopel. Nun sind es eigentlich nur noch zwei Stunden bis Hommenabben. Von dort führt der Kurs westwärts durch den schützenden Schärengarten bis Torhamn. Aber es werden zwei harte Stunden. Durch das Reffen verlieren wir an Höhe und müssen kreuzen. Immer wieder bremsen uns die Wellen aus. Schließlich wird das Kreuzen sinnlos. Die Genua wird ganz eingerollt, das Groß stabilisiert nur noch das Schiff, die Maschine muss jetzt die Arbeit leisten. Glücklich erreichen wir Hommenabben, stellen aber bald fest, dass Torhamn kein Ziel für uns ist. Der Hafen ist zwar leer, das kann man vom Fahrwasser aus gut erkennen, aber der kräftige Wind, die scheinbare Windstärke messen wir mehrmals mit über 20 m/Sek., weht direkt auf die Hafeneinfahrt. Nun sind wir schon so lange unterwegs, fast neun Stunden, nun bringen wir es auch zu Ende. Hier spüren wir den Wind nicht mehr so, vor allem die Wellen sind geringer als ein halber Meter. Leider bleibt es nicht so. Das letzte Stück, die letzte Stunde, in unsere Ankerbucht bei Karlskrona wird noch einmal ruppig und feucht. Aber dort, zwischen den Felswänden (s. Bild Teil 2) ist es erstaunlich ruhig, nur 20 m über uns tobt  der Wind. Wir haben die Ruhe auch verdient. Doch der Hunger bewegt uns; ich mache Labskaus.

Die Fischerin von KarlskronaAm Mittwoch begrüßt uns die Sommersonne. Der schöne Morgen lädt richtig zum Faulenzen ein. Doch leider sind die Wetterprognosen nicht günstig. Der Wind soll auf Nord –West drehen und kräftig zulegen. Noch spüren wir zwischen den hohen Felsen nichts davon, doch solle er nur ein wenig nördlicher kommen, haben wir einen unruhigen Liegeplatz. Da wir sowieso Diesel brauchen und auch Lebensmittel für uns, lösen wir mittags die Leinen und verholen uns nach Karlskrona. In der Hafeneinfahrt kommt uns eine Kreuzer-Yacht entgegen Zu spät erkenne ich, dass das ein britisches Schulschiff ist. Als ich reagieren will, faucht mich Renate an: „Lass die Finger von der Flagge, achte lieber auf deinen Kurs“. So bleiben die Briten ungegrüßt. Doch abends bemängelt sie den Verfall der Sitten und Gebräuche, weil kaum noch jemand bei Sonnenuntergang die Nationale streicht, geschweige denn die Gastlandflagge niederholt. In der Marina ist schon mittags legal kein freier Liegeplatz zu ergattern. Wir legen uns illegal neben eine Box und hoffen, dass für 8 m immer noch Platz ist. Das erste, was auffällt, sind die vielen Container am Hafen. Dieser wird umgebaut, neu gestaltet und erhält neue Verwaltungs-und Sanitärgebäude. Dann erkunden wir die Stadt. Abends gönnen wir uns doch wieder eine Pizza. Renate wählt die „Mexicana“ mit Banane und Ananas. Ihrer Aussage nach soll sie sogar recht gut geschmeckt haben. Der Wetterbericht bleibt bei seinen ungünstigen Prognosen mit viel Wind von vorn. Na, mal sehen, ob sie dieses Mal Recht haben.

Peter und Renate

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