Teil 1 vom Fahrtenbericht 2014

Mit der Trio 80 „Peer Gynt“ von Berlin über Stettin, Ziegenort, Swinemünde, Kolberg, Nexø, Simrishamn, Hällevik, Karlskrona Säljö, Bergkvara, Kalmar, Timmernabben und wieder zurück über Stora Rör, Mörbylånga, Kristianopel, Karlskrona Dragsö, Tjärö, Hällevik, Simrishamn, Hasle, Sassnitz, Freest, Swinemünde, das Stettiner Haff und die Oder wieder nach Hause.

Die Entscheidung nach dem diesjährigen Urlaubsziel ist eigentlich schon sehr früh gefallen, die des Abreisezeitpunktes allerdings relativ spät. Wir entschließen uns kurzfristig noch vor Ende der Tennis-Verbandsspielzeit am 26. Juni im TSC abzulegen. Nun liegen wir nach 40 Tagen an Bord wieder wohlbehalten im Heimathafen.
Auf die Frage, wie es denn war, können wir kurz und knapp sagen, es war ein unglaublich schöner Sommer in diesem Jahr in Schweden und es war spannend, aufregend und abwechslungsreich.

Doch der Reihe nach:

Donnerstag., 26.06.2014: Berlin, TSC – Schleuse Lehnitz, 15 sm, 3:00 Std.

Das schlechte Wetter an den Tagen zuvor hat uns etwas in der Vorbereitung gebremst. So müssen wir noch vor dem Ablegen erst den Mast legen und die restlichen Sachen verstauen. Das meiste haben wir schon in den Regenpausen der Vortage an Bord gebracht.
Kurz nach drei legen wir ab. Das Wetter meint es jetzt gut mit uns, es gibt ohnehin kein Zurück mehr. Die Sonne scheint. Es ist ein erstes, angenehmes Sommergefühl. So kann es bleiben.
Kurz vor halb sieben sind wir vor der Schleuse Lehnitz und müssen 30 Minuten warten. Dann geht es „zu Berg“ und wenig später machen wir am Zementhafen Klink fest. Die erste Nacht an Bord. Urlaubsgefühl kommt auf.

Freitag, 27.06.2014: Lehnitz - Schwedt, 51 sm, 11:40 Std.

Siebenschläfer! Es ist etwas kühl, als wir um fünf Uhr ins Wasser steigen, aber erfrischend. Kurz danach legen wir bei leichtem Morgennebel ab. Es ist unsagbar still. Nur das Motorengeräusch weckt die noch schlafende Natur. Frühstück gibt es unterwegs. So früh am Morgen begegnen uns nur vereinzelte Radfahrer auf dem Weg zur Arbeit, hier und da ein Angler, aus dem Schlaf gerissene Enten und ein verstörter Biber, der den Kanal queren will.
Eine dreiviertel Stunde Wartezeit in Niederfinow, 35 Minuten in Hohensaaten. Dort treffen wir die „Imme“ aus dem JSC. Nette Leute, so wird die Wartezeit kurzweilig.
Um 17.00 Uhr machen wir in Schwedt fest. Eigentlich überflüssig, denn wir stecken fest im Schlick. Wie üblich, Essen beim Chinesen und auf dem Rückweg schnell noch die Dinge ergänzt, die wir ver-gessen haben.
Das Wassersportzentrum Schwedt ist noch weiter ausgebaut worden. Es gibt keine Liegeplätze mehr im Boots-Club sondern nur noch im engen und flachen  (1.30 m) Hafen und an der innen- und Außenmole (1,50). Aber der Sanitärbereich ist vom Feinsten. Auch der Service ist freundlich.

Sonnabend, 28.06.2014: Schwedt – Stettin, 36 sm, 6:15 Std.

Auch heute gibt es das Frühstück wieder während der Fahrt. Aber wir wollen unbedingt heute noch den Mast stellen und das Schiff segelfertig machen. Da wir auch tanken müssen, entscheiden wir uns für die Marina Hotel – und das war richtig. Keine Wartezeit am Kran und keine an der daneben liegenden Tankstelle. Doch die restlichen Arbeiten wollen wir dort nicht erledigen. Es ist Regattatag und BMW-Werbung. Direkt am Kran ist eine Bühne aufgebaut, auf der eine Band für den Abend probt. Von der Lautstärke her sind sie sehr gut. Nur die Sängerin hat noch eine belegte Stimme und muss immer wieder einzelne Passagen üben. Das halten unsere Ohren nicht aus. Wir bezahlen 150,- zlt für das Kranen und ziehen weiter nach Goclaw. Es sind ja nur 45 Minuten.
Um 18.30 ist das Schiff segelklar, einschließlich der Reffleinen. Nun haben wir Zeit, uns bei einem Bier, oder waren es mehr? mit einem Segler-Ehepaar aus Hannover zu unterhalten.

Sonntag, der 29.06.2014: Stettin – Ziegenort, 13 sm, 2:50 Std.

Morgens sind es 14° C. Es ist windstill und es regnet. Das fängt ja gut an. Wenn das so sieben Wochen anhält, wird es ein kurzer Urlaub. Dabei habe ich Optimist die Zeitung bis zum 15. August abbestellt.
Die Hannoveraner haben Hafentag. Sie scheinen ohnehin nur Schönwettersegler zu sein. Hauptsache ist ein Internetzugang. Aus der Summe der Wetterberichte, welche sie per Internet empfangen, kristallisiert sich heraus, dass an Mittag der Regen aufhört und ein West- bis Nordwestwind um 3 Bft. einsetzt.
Allerdings ist mein Barometer in den letzten 12 Stunden um 6 hPa gefallen. Das gefällt mir gar nicht. Doch der Regen hört mittags tatsächlich auf. Kurzentschlossen legen wir ab, um wenigstens bis Ziegenort zu kommen. Dann sind wir am Montag so früh in Swinemünde, dass wir uns mit Obst und Gemüse vom Markt und mit Dosenbier (kein Pfand) versorgen können. Kaum haben wir den Hafen verlassen, setzt der Regen wieder ein. Die Sicht verschlechtert sich, so dass wir mit Licht fahren. Auch der Wind kommt, von Nord und nimmt beständig zu, wir messen 30 kn. Abzüglich un-serer Fahrgeschwindigkeit sind das 6 Bft.
Vor Ziegenort patrouilliert ein Boot der Wasserschutzpolizei. Das verunsichert mich etwas, zumal sie uns dicht vorausfahren, als wir in den Tonnenstrich nach Ziegenort einbiegen. Aber es stellt sich als freundliche Sicherheitsmaßnahme heraus, damit wir heil in den Hafen kommen. Kaum haben wir die schützende Mole erreicht, kehren sie wieder um.
peer gynt 2014 01Im Sportboothafen tobt die See. Alles hat sich in den Fischereihafen verkrochen. Da liegt man ruhiger, aber nicht ruhig – wenn man einen Liegeplatz findet. Wir entdecken ein freies Stück Kaimauer von vielleicht 8,50 m Länge. Vor der Lücke liegt die „Nordwind“ vom MBC Potsdam. Wir halten längsseits an und bitten den Eigner, ob er sich nicht ein kleines Stück nach vorn verlegen kann. Nein, das wolle er nicht, er habe sich schon verholen müssen und jetzt sei Schluss. Na gut, wir mobilisieren das letzte Bisschen Konzentration und manövrieren uns in die Lücke, Heck an Heck, so dass sich die Flaggenstöcke fast berühren. Leider müssen wir nun ständig in ihr Cockpit blicken und ihre Gespräche anhören. Wenig später verschwinden sie im Inneren des Schiffes. Wir haben sie bis zum Ablegen am nächsten Tag nicht mehr gesehen.

Montag, der 30.06.2014: Ziegenort – Swinemünde, 18 sm, 4:10 Std.

Der Himmel hängt voller Wolken. Anfangs ist es noch etwas sonnig, aber kühl. Gegen Mittag ziehen einzelne Schauer über uns hinweg, wir lassen uns aber davon nicht beeindrucken. Es wird deutlich wärmer.
Swinemünde erreichen wir mittags, also zeitig genug, um ohne Hetze einzukaufen. Der Druckschalter der Wasserpumpe ist defekt. Er schaltet nicht oder nur sehr spät die Pumpe ab, der Luftdruck ist zu niedrig. Das lässt sich mit Bordmitteln beheben, doch leider werden wir den ganzen Törn über mit dem Problem leben müssen. Das Wetter verspricht für morgen einen schönen Segeltag: südwestliche Wind um 3 Bft., später auf West drehend. Wir planen als Ziel Sassnitz.

Dienstag, 01.07.2014: Swinemünde – Kolberg, 51 sm, 9:35 Std.

Das Barometer ist weiter gestiegen, die Symbole meiner elektronischen Wetterstation deuten auf schönes Wetter hin – aber was ist das? Jedenfalls ist Wind. Noch vor acht legen wir ab und setzen noch im Strom die Segel. Leider ist unser geplantes Ziel mit einem Anlieger nicht zu erreichen. Der Wind kommt aus NW und ist kräftiger als die 3 angesagten Windstärken. 42 sm auf der Kreuz sind das geplante Ziel nicht wert. Wir fallen ab auf rwK 063°Richtung Kolberg.
Je weiter wir uns von Usedom entfernen, desto höher, aber auch länger wird die Welle. Vor Kolberg sind es dann 1 m. Leider müssen wir die Sperrgebiete umfahren. Ein Schiff der polnischen Marine begleitet uns und achtet darauf, dass wir keine Abkürzung wählen. Zudem wird der Wind böiger und einzelne Schauer beglücken uns. Alles in allem ist das Segeln mehr Pflicht als Kür. Zudem sor-gen Wind und Welle dafür, dass weder Freude noch Entspannung aufkommen.
Als wir uns nach neun Stunde über Funk in Kolberg anmelden, ist unsere Kraft auch nahezu aufge-braucht. Noch eine halbe Stunde, dann sind wir im geschützten Hafen. Neben der Marina wird eine Hochstraße gebaut, die den Zugang zur Altstadt an der Mündung der Persante erleichtern soll. Aber zu einem Stadtgang fehlt uns die Energie. Selbst die Restaurants locken nicht, die Bordküche reicht. Die Hauptsache ist jetzt Ruhe und Erholung.

Mittwoch, 02.07.2014: Kolberg – Nexø, 54 sm, 9:15 Std.

Noch vor dem Wecken stehen wir auf. Da sich kein Lüftchen rührt, überrede ich Renate, abzulegen und während der Fahrt zu frühstücken. Wir melden uns also über Funk beim Hafenkapitän ab und gleiten über die spiegelglatte Persante. Doch das geht nur bis zur Hafeneinfahrt gut. Dann treffen wir auf die Dünung von gestern. Sie ist nur noch halb so hoch, aber weil kein Wind weht, giert das Schiff unangenehm. Das war keine gute Idee von mir. Das Frühstück ist kurz und ungemütlich. Re-nate ist schon nach wenigen Meilen am Leidenspunkt. Zum Glück setzt bald der Wind ein und das Schiff stabilisiert sich beim Segeln. Aber mit dem Wind kommen auch die Schauer und die sie begleitenden Böen. Zwei Schauer können wir umfahren, doch der dritte trifft uns dafür um so heftiger.
Am Nachmittag lockert die Bewölkung auf und der Wind nimmt etwas ab. Ein zartes Gefühl von Urlaubsfreude und Segelvergnügen kommt auf. Vor Nexø erwischt uns dann doch noch eine Bö, just in dem Moment, in dem wir die Fock eindrehen wollen. Sie fängt an zu schlagen und dabei bricht der Schäkel. Ich muss also nach vorne, um das wild flatternde Segel zu bergen. In Nexø ist viel Platz. Wir legen uns an eine Heckboje im Fischereihafen, direkt vor das neue Servicegebäude. Keinen Schritt zu viel jetzt. Renate hat sich tapfer gehalten, doch wir sind beide ziemlich kaputt.

Donnerstag , 03.07.2014: Nexø, Hafentag

Nicht noch einmal bei fünf hoch am Wind. Wir brauchen und gönnen uns einen Tag Ruhe. Das Wetter macht es uns leicht. Zudem muss auch einiges repariert werden und, das hätte schon längst geschehen müssen, die Lifeleine muss angebracht werden. Nachmittags beginnt es, abgesehen von einigen kleineren Schauern, aufzuklaren und der Wind flaut ab. Wir genießen Dänemark und ge-winnen neue Kraft und Lust aufs Segeln, zumal die Prognosen günstig sind.

Freitag, 04.07.2014: Nexø - Simrishamn, 42 sm, 8:30 Std.

Bis sechs hat es geregnet, aber nun sind die dunklen Wolken verschwunden. Allerdings auch der Wind. Das Barometer ist inzwischen auf 1020 hPa geklettert. Wir legen ab. Die Entscheidung erweist sich als richtig. Eine halbe Stunde später zeigt sich der erste Sonnenstrahl, ein Südwest-Wind setzt ein und verleiht uns förmlich Flügel.
Ich habe einen Weg östlich des Verkehrstrennungsgebiets gewählt und habe somit keine Probleme den vorgeschriebenen Rechten Winkel einzuhalten. Es ist viel los zwischen Bornholm und Schweden. Mein AIS zeigt eine Vielzahl von Frachtern und Fähren, die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit wie auf einer Perlenkette sowohl nach Osten wie nach Westen ziehen. Da wir sie rechtzeitig erkennen, können wir gefährliche Begegnungen vermeiden. Die nach Osten fahrenden Schiffe müssten uns ohnehin ausweichen, doch darauf verlassen wir uns lieber nicht, sondern richten unsere Geschwindigkeit so ein, dass es keine „Konflikte“ gibt.
Mittags ist der Himmel wolkenlos und das Thermometer übersteigt erstmals die 25°-Marke. Ist das der Beginn des Sommers? Zum Kaffee sind wir in Simrishamn. Hier ist es beträchtlich voller und wir müssen uns einen der wenigen Liegeplätze erst suchen. Die Strapazen sind nun vergessen, Urlaubslaune macht sich breit.

Sonnabend, 05.07.2014: Simrishamn - Hällevik, 30 sm, 6:15 Std.

Wir sind recht früh aufgestanden, um rechtzeitig bis halb neun an der Tankstelle Verbrauchtes wieder aufzufüllen. Mit einem 20 l-Tank kommt man nicht weit und die Tankstellen sind in der Schärenwelt dünn gesät. Anschließend wollen wir wieder anlegen und frühstücken. Wir haben keine Eile mehr. Aus Bequemlichkeit (… und auch aus Angst, dass uns jemand den Liegeplatz wegnimmt …) lassen wir die Festmacher am Steg und den Auslegern der Box.
Natürlich waren die Bedenken unbegründet, kein Mensch und schon lange kein Schiff bewegte sich im Hafen. So können wir nach kurzer Zeit wieder entspannt anlegen. Doch die Festmacher an Steg liegen so tief, dass Renate sie nicht erreichen kann. Sie steigt also mit einem Bein vom Schiff ab, um sich zu bücken, doch das Schiff ist ja noch nicht festgemacht. Also bewegt es sich rückwärts. Auch einer guten Turnerin kann dieser Spagat nicht gelingen. Renate schafft es nicht mehr, aufs Schiff zurückzukommen. Sanft und klaglos gleitet sie ins Wasser. Ich eile ihr zu Hilfe, habe aber große Mü-he, sie wieder in der engen Box an Bord zu ziehen.
Nun, nachdem das Morgenbad und auch das Frühstück beendet sind, machen wir uns auf den Weg nach Norden. Das Barometer ist leider wieder auf 1012 hPa gefallen. Das macht sich auch am Wind bemerkbar, der böig aus Nordost weht. Rasmus schickt uns nasse Grüße. So manches Mal müssen wir uns unterm Sprayhood verkriechen, um seinen Duschen zu entkommen. Schließlich, wenn auch mühsam, erreichen wir Hällevik.
Die Räucherei hat noch geöffnet. Ich besorge mir zu hausgemachten Labskaus eingelegten Hering in Dill und in einer ganz leckeren Rogen-Sahnesoße sowie Geräuchertes zum Frühstück.

Peter Reckmann

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