Vor kurzem tauchte im Gästebuch des TSC ein Hinweis auf, dass auf der Wetterseite die Achsenbezeichnung "Regenmenge" in der derzeitigen klimatisch-winterlichen Großwetterlage wohl nicht ganz zutreffend sei. Niederschlag sei doch passender, schließlich wisse man ja nicht, wieviel Schnee vom Regensensor erfasst worden sei. Dankbar für jeden Kommentar, wollten sich die Wetterfreaks des TSC gleich an die Behebung dieses semantischen Schlaglochs in der Wetterdarstellung machen. Doch wie es halt so mit Schlaglöchern ist: Wie tief sie sind, merkt man erst beim Achsbruch, so leicht ist das nicht.

Schnee können wir wirklich nicht messen, denn der bleibt auf dem Trichter liegen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass da oben in über 12m Höhe sich Schnee ansammelt und dann beim Tauen als Regen gemessen wird, ist bei der allgmeinen Mastbewegung eher gering. Zumal - und das wissen ja alle Segler - ist es nicht nur nachts kälter als draußen, sondern der Wind weht oben auch stärker als höher. Da ist es eher so, dass der nahezu omnipräsente Wind den Schnee runterweht und dann wieder nur Regen gemessen wird. Aber was ist mit gewissen Restschneemengen, die sich sozusagen wie Ché Guevara im mexikanischen Dschungel in den hinterletzten Rillen des Fangtrichters versteckt haben, um von hier aus partisanengleich ihren hinterhältigen Schmelzkampf zur Verwässerung der achsogenauen Regenmengen zu führen? Betrachtet man es also einmal ganz genau, so sollte idealer Weise da stehen: Regenmenge mit geringen Schmelzwasseranteilen. Niederschlag wäre hier sicherlich das meterologische Synonym mit der höchsten Annäherungschance. Aber irgendwie passt es auch wieder nicht, betrachtet man es denn von seinem ethymologischen Stamm her. Schnee schlägt nicht nieder, sondern rieselt leise. Und setzt sich in aller Stille mit leicht gepämpftem "Plock" auf alles, insbesodere frisch gefegte Hofeinfahrten und Regenmesssensoreinrichtungen. Verglichen mit Niederschlag ist das sozusagen der Unterschied zwischen Kanonenkugel und Spatz, zwischen Bettdecke und Nagelbrett oder zwischen Lafers Schneewittchenschloss und niedergeschlagener Currywurstbude.

Außer, ja, außer wir haben massive Fallwinde, dann würde auch der Schnee niederschlagen. Das darf man natürlich nicht außer Acht lassen. Der gemeine Tegeler Fallwind, der schon so manche Regatta immer zu Ungunsten des einen oder anderen Teilnehmers verändert hat. (Allerdings nie zu Gunsten des jeweils anderen...) Wie oft hat man nicht schon die traurigsten aller Wettfahrterlebnisse von wackeren Pinnierrecken gehört, dass sie sich im harten Zielkreuzkampf um die Führung nach etlichen Wenden endlich die ersehnten wenigen Bootslängen zum Sieg haben erarbeiten können und dann Peters Zieltröte schon in Trommelfellnähe sich diesem hinterhältigen, boshaftigsten und wiederwärtigstem aller Wetterkapriolen ausgesetzt sahen. Dem Tegeler Fallwind, der sie und nur sie traf und die Gegner natürlich nicht. Denn, dass man es in der Wende auf den kopf bekam, lag nur an dem Fallwind und nicht an einem verschlafenen Re oder anderen Waldbewohnern. Kann ja nicht, nein, nienimmernienicht, das war der Fallwind, bestimmt. Und bitte noch ein Bier für mich und meine depressive Crew.

Also, dieser Fallwind macht auch Schneeniederschlag. Gut, dann müssen wir die Achsenbeschriftung ändern, aber nur temporär, denn nicht immer weht ja diese meteorolügische Sensation. Die übrige Zeit rieselt das weiße Zeugs ordnungsgemäß und kinderliederkonform darnieder. Leider viel zu viel, denn so bleiben die Eisschlitten am Steg und der Autor gesellt sich langsam zu den Mitgliedern der oben erwähnten Depri-Crew. Vielleicht gibt ja einer noch einen aus auf den Frust...

Kai Jürgens

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