Glosse: "Wo ist eigentlich der TSC"

Im Zeitalter der modernen Kommunikation und Navigation sollte man eigentlich denken, dass unser Globus keine weißen Flecken mehr hat. Das stimmt auch. Jedenfalls aus der Ferne betrachtet. Bei einem Abbild unseres Planeten in Größe eines derzeit so beliebten ledernen Spielgerätes wird man auch kaum ein unendecktes Land vermuten können, doch kommt man dichter, wird das Abbild schon ungenauer und das nicht nur, weil die Kollegen von Google Earth noch nicht die militärisch unverfänglichen Karten vom US-Geheimdienst erhalten und ins Netz gestellt haben.

Seitdem jedoch George Bush seine Militärs angewiesen hat, die Verschleierung der GPS Signale zu entfernmen, weil er sonst mit seinem Garmin 08-15 in der texanischen Wüste seine Ranch nicht mehr gefunden hat, sind die Empfangsgenauigkeiten der kleinen "Bitte an der nächsten Abzweigung rechts abbiegen..."-Helfer so groß geworden, dass sie einen sogar rückwärts aufs Klo bringen können. Dochgenau hier liegt das Problem. Während noch in der guten alten Golf (I) und Golf (II) - Kriegszeit die Geräte so herrlich unpräzise waren, dass man froh war, wenn der Subkontinent stimmte und ein Segelclub wie der TSC nur einen Pixel-Punkt auf dem groben GPS Raster ausmacht, erleben wir ihn heute als Matrix mit mehreren Kilo-Bit Datenpunkten, die meisten mit über 16 Mio Farben (mal den Keller bestimmte H-Boote ausgenommen... Schöne neue Welt!) Aber wo ist denn nun der Club? Diese Frage manifestierte sich erst bei dem durchaus begründeten Verlangen eine solche GPS Position als Referenz in die offiziellen TSC Internetseiten aufzunehmen, damit dem über allem schwebenden "Convenience Principle" (damit beschreibt der Neu-Yuppie das Verlangen, dass ihm alle technische Errungenschaft der letzten 10.000 Jahre nur dazu dienen soll, dass er es sich in seinem loungigen Sofa bequem machen kann, um seinen Mochito zu schlürfen. Schöne neue Welt!) genüge getan wird und Gäste unseres Clubs mit den ach so praktisch quakenden elektronischen Helferlein zu uns finden können. Und das wohl gemerkt vom Land- als auch vom Wasserweg. Doch welchen Punkt geben wir an, wo ist denn der TSC, wo sind seine Koordinaten? Dank der Auflösung der Geräte reicht es eben nicht, einen einzigen, nur mit 2 Nachkommastellen ausgestatteten Bezug anzugeben. Ein solcher grober TSC-Klecks auf der GPS-Landkarte wäre eines solch renomierten Clubs auch gar nicht würdig, ist doch zu befürchten, dass verzweifelte, blechernde Computerstimmen, den von ihnen so abhängigen Neu-Yuppie in einem mehr oder weniger großen Bogen um den Digital-Klecks herumführen würden, was spätestens am Jollensteg ein jähes, blubberndes Ende fände, in dem die Off-Road-Funktion des Gerätes dann sicherlich versagt.

Die Lösung für dieses Problem, ist nicht allzuleicht zu finden, schließlich wollen hier verschiedenste Belange berücksichtigt werden, um allen Kameraden gerecht zu werden. Erste Idee einer punktuellen TSC-Festlegung, war natürlich der Runde Tisch, wobei dann zumindest das Herrenklo als Back-Up angegeben werden sollte, um eventuelle Konfliktsituationen vornherein zu entschärfen. Allerdings ist dieses für die seefahrende Bevölkerung nicht allzu praktisch, denn man stelle sich nur vor, der Simrad ST1200 Pinnenpilot würde zu spät gelöst und die hübsche Yacht (vielleicht ein französisches Fabrikat...) würde den Steg herauffahren, um den Eigner gleich beim BPH abzuliefern. Sicherlich ein Fall für den Kenterorden, der dann gleich auf Lebenszeit verliehen würde. Also sollte doch besser ein Liegeplatz am Aussteg gewählt werden, die Notos ist ja nun nicht mehr da. Das wiederum würde die Kameraden vergrätzen, die von diesem Platz beliebig weit entfernt im Hafen liegen und ständig die Diskrepanz zwischen veröffentlichtem und angezeigtem Ort hinnehmen müssten. Blieben noch ein paar Kompromissvorschläge, wie der Flaggenmast, wo zwar nie viel los ist, außer mal eine nette Schießerei zu Saisonbeginn und -ende, der aber wenigstens einen gewissen Mittelpunkt austrahlt, insbesondere aufgrund des weithin sichtbar wehenden Clubstanders. Hierbei wäre dann die Frage, ob die Position im Netz angepaßt werden müsste, wenn der JSC auf die Idee kommt, die Flagge zu entführen. Der Flaggenmast auf dem Aussensteg, in diesem Jahr aus unerfindlichen Grunden unbeflaggt, wäre hier besser geeignet, zudem hier auch die Wetterstation angebracht ist. Die genaue Position der Herkunft der Wetterdaten ist sicherlich für die TSC-Wetterfreaks sehr interessant, aber auch nur für die. Schließlich muss man feststellen, dass es die Position des TSC gar nicht gibt. Ist der TSC damit ein weißer Fleck auf der Landkarte? Wohl weniger, TSC ist überall. Man kann ihn nicht so einfach beschreiben (wussten ja viele schon immer). Daher mag es Sinn machen, eine interaktive Karte des TSC zu erstellen, mit vielen Punkten, die es anzusteuern gilt. Hierzu gehört dann Latifundien genauso wie das Feuchtbiotop Wettfahrtbüro oder der Lietzenpark. Wie leicht wäre es dann doch gewesen, der versinkenden Tiffany einfach nur eine Position zuzuordnen und die Rettungskräfte abstrakt zu lenken. "An der nächsten Dalbe rechts und drei Meter runter. Sie haben Ihr Wrack erreicht..." Ein weiterer Vorteil wäre die unbeschränkte Bewegungsfreiheit und der enorme Zuwachs an persönlicher Sicherheit für den Besitzer des TSC-Navigators, würde er sich auf dem weitläufigen Areal immer ideal von A nach B bewegen könenn, um so wichtige Kraftreserven für die nächsten nervenaufreibenden und alles-abverlangenden Regatten zu sparen. Doch eine Gefahr birgt diese digitale Datenflut aus Positionen, denn wer garantiert für die Sicherheit eines nur noch auf sein GPS starrenden Runden-Tisch-Verlassers, der a lá Gerald zu seinem Schiff geführt werden möchte und den computerbestimmten Hinweis auf die Treppe überhört? Und zentrale Frage sei gestellt, wofür braucht der TSC dann noch die blinkende Positionslaterne? Schöne neue Welt!

Kai Jürgens

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