Der TSC ist interessant. Das fanden auch die Reporter von bb:Maritim, einem neuen Magazin, das 3 mal jährlich erscheinen soll und die Aktivitäten im Wassersportrevier Berlin / Brandenburg beleuchtet.

bb:Maritim möchte in seinen Ausgabe jeweils ein bis zwei Clubs, Vereine oder auch Marinas und Häfen näher vorstellen und so für die Wassersportregion Berlin Brandenburg werben. Für die erste Ausgabe haben sich die Redakteure den TSC ausgesucht, kamen mit einem Bündel von Fragen am 18. Januar in den TSC und interviewten Kai Jürgens und Nicolas Warzecha.

bb:Maritim: Ihr Motor-Boot-Club besteht nun bereits seit über 110 Jahren. Bitte erzählen Sie mir doch etwas zur Anfangsphase bzw. darüber, wie der Club entstanden ist!

TSC (Kai Jürgens): Nun, zunächst möchte ich gerne richtigstellen, dass wir ein Segel Club sind. Das ist ein großer Unterschied, denn im Gegensatz zu Motorboot-Clubs, bei denen es sich vor allem um die Geselligkeit des Zusammenseins dreht, geht es bei uns über diese weit hinaus. Wann immer Sie zwei Segelboote aufeinandertreffen und in die gleiche Richtung fahren, entbrennt –fast automatisch- in den jeweiligen Besatzungen der Boote der Ehrgeiz schneller zu sein als das andere Boot. Der Wind ist schließlich für beide gleich, also ist es die Qualität des Segelns (auch Seemannschaft genannt), die über die Bootsgeschwindigkeit entscheidet.

Dieser sportliche Wettbewerb ist es, der gerade im TSC sehr gepflegt wird und eine lange Tradition hat. Schon unsere Gründungsväter hatten ihn im Blick als sie 1901 den Verein gründeten und dann etwa 10 Jahre später das Clubhaus errichteten. Sicherlich, auch das gesellschaftliche und gesellige Zusammensein ist wichtig, und gerade in den Wintermonaten, wo die Schiffe an Land sind, doch steht der sportliche Aspekt des Segelns im TSC an ganz vorderster Stelle.

Zur Jahrhundertwende kam die Verwaltung von Berlin auf die Idee, eine Abgabe für Privatboote einzuführen. Diesem konnte man sich nur entziehen, wenn man die Boote sportlich organisiert in einem Verein (bzw. Club) führte. So schlossen sich 7 gestandene Herren zusammen und gründeten den Tegeler Segel Club, der sein Vereinsheim zunächst noch in einem Lokal mitten in der Stadt hatte und die sich somit nur dort und auf dem Tegeler See am Wochenende trafen. In den nächsten Jahren jedoch hatte der TSC viel Zulauf von neuen Mitgliedern, so dass zunächst die Kneipe gewechselt werden musste und dann der Wunsch nach einem eigenen Heim entstand. Glücklicher Weise war unter den ersten Mitgliedern der Forstbetraute von Tegel, der dem Club zu dem angestammten Platz hier an der Malche verhalf und auch den Aufbau des Clubhauses maßgeblich förderte.

bb:Maritim: Wie ging es nach der Gründung des Clubs weiter?

TSC (Kai Jürgens): Nach seiner Gründung und der Errichtung des Hauses samt erster Steganlage nahm die Mitgliederzahl des Vereins rasch zu. Bald schon reichten die Stegplätze nicht mehr aus, so dass in der Malche ein Bojenfeld errichtet wurde. Gleichzeitig gründeten sich in der Umgebung des TSC mit der SVT und der Tourenseglervereinigung sowie den Clubs auf dem Südufer des Sees und nicht zuletzt mit dem JSC in Tegelort eine stattliche Zahl weiterer Segelvereine, was den Segelsport und die Regattatätigkeit stark erhöhte. Man darf sich dabei das Segeln damals nicht ganz so vorstellen, wie heute. Die Boote waren sämtlich aus Holz mit Segeln aus Leinen oder Baumwolle. Der Segler selbst segelte in feiner weißer Hose und entsprechendem Hemd und Hut oder Mütze. Nichts desto Trotz: Sport ist Sport und schon damals ging es auf den regattabahnen genauso hoch her wie heute und der Ehrgeiz und sportliche Ansporn war der gleiche.

bb:Maritim: Wie entwickelte sich die Mitgliederzahl?

TSC (Kai Jürgens): Die Mitgliederzahl stieg nach der Gründung rasch auf etwa 60 Mitglieder an und blieb auf diesem Wert recht lange. Erst nach dem Krieg wurde der Club dann größer und hat heute eine Zahl von knapp 200 Mitgliedern, die sich aktiv dem Segelsport verpflichtet fühlen und von denen etwa die Hälfte an Regatten teilnehmen. Im Gegensatz zu anderen Vereinen am See, haben wir eine durchaus gesunde Mitgliederstruktur. Neben einer großen Jugendabteilung, ist auch der Bereich des „Mittelalters“, also so zwischen 30 und 60 recht gut besetzt. Das ist nicht in allen Clubs so, doch hilft es im Besonderen, wenn Arbeiten anstehen. Und davon gibt es ja immer genug!

bb:Maritim: Bitte erzählen Sie mir doch etwas über die sportlichen Aktivitäten des Tegeler Segel-Club e.V.! (Beispiele wie Wettkämpfe, Regatten und Fahrten ins Umland bitte ausführlich erläutern!)

TSC (Kai Jürgens): Wie schon erläutert ist die Teilnahme an Segelwettbewerben eine Hauptaktivität im TSC. Eine Regatta ist im Allgemeinen eine Segelveranstaltung, die sich aus mehreren Wettfahrten zusammensetzt, die an einem bis mehreren Tagen stattfinden. Bei einer Wettfahrt starten die Teilnehmer gemeinsam und umrunden dann einen zuvor mit Tonnen markierten Rundkurs oftmals mehrfach in vorgegebener Folge. Sieger der Wettfahrt ist, wer zuerst die Ziellinie überquert. Sieger der Regatta ist, wer die besten Ergebnisse der Wettfahrten auf sich vereint. Da bei einem Rundkurs der Wind aus verschiedenen Richtungen auf das Boot trifft, wird von den Seglern neben einer erstklassigen Bootsbeherrschung auch ein hohes Maß an taktischem Verständnis gefordert, denn es geht nicht unbedingt darum besonders schnell zu sein, sondern schneller als seine Gegner.

Es gibt Regatten bei denen nur Boote einer bestimmten Klasse antreten und solche, die klassenoffen sind. Bei letzteren wird nach dem so genannten Yardstick-Verfahren gewertet. Dieses ist mit dem Handicap beim Golf zu vergleichen, so dass Bauart bedingt langsamer Boote eine Vergütung gegenüber schnelleren Yachten erhalten und so zusammen gewertet werden können.

Der TSC veranstaltet im Jahr vier solcher Klassen-Regatten, in denen insgesamt 8 Klassen mit insgesamt fast 150 Booten gegeneinander antreten. Daneben gibt es noch die Serie der Clubwettfahrten, die zur Aussegelung des Clubmeisters führen.

Die TSC Kameraden nehmen an vielen weiteren Regatten teil. Nicht nur hier auf dem Tegeler See, sondern auch auf den benachbarten Berliner Gewässern wie dem Wannsee oder dem Müggelsee. Schaut man auf den Regattakalender von Berlin, so findet man in der Saison an fast jedem Wochenende auf fast jedem revier mindestens eine Veranstaltung. Und natürlich sind wir auch auf den großen Veranstaltungen an der Ostsee vertreten, wie der Kieler Woche, der Travemünder oder Warnemünder Woche. Man einer unserer Kameraden kommt so auf 5-10 Regatten im Jahr, also schon ein richtiger Segeltourismus. Ganz besonders gilt das für unsere Jugendlichen und Junioren.

Fahrtensegeln ist ein weiterer Bereich und ein weiteres Standbein des TSC. Nicht jeder Segeler hat Lust auf den sportlichen Wettkampf sondern erfreut sich am Segeln selbst, an der Natur und an neuen Eindrücken in fremden und bekannten Häfen. Jeden Sommer erleben wir den Exodus der Fahrtenseglerflotte, die sich vornehmlich auf den Weg an und auf die Ostsee macht. Das war schon zu Zeiten der Deutschen Teilung so, wo die die Tour über die Oder bis ins Stettiner Haff etwas sehr abenteuerliches und aufregendes war, doch auch jetzt, wo gerade die östlichen Nachbarn mit noch unbekannten Revieren locken ist die Freude an der Fahrtensegelei ungebrochen. Aber auch die Dänische Südsee ist immer attraktiv, genauso wie ein Abstecher nach Flensburg oder Kiel. Jedes Jahr wieder finden Kameraden auch Ziele in schwenden oder Norwegen, Trips über hunderte von Seemeilen. So gehen uns die Geschichten im Winter nicht aus.

bb:Maritim: Bitte erzählen Sie mir doch etwas über das Club-Leben (gemeinsame Feiern, Ausflüge, Grill-Abende etc.)!

TSC (Kai Jürgens) Neben dem Segeln ist das Zusammensein im Club das zweite große Standbein des Vereins. Schon aus der Geschichte heraus war der Club Heimat für Mitglieder, die selbst mit angefasst haben. Einen großen Teil der Instandhaltungsarbeiten an Haus und Steg konnten wir und können wir selber erledigen. Dazu gehört das gemeinsame Anfassen, wenn die Schiffe im Frühjahr mittels Kran ins Hafenbecken gesetzt werden (Abslippen) und im Herbst wieder herausgenommen werden (Aufslippen). Das schweißt zusammen und fördert die Kameradschaft. Und das merkt man auch bei unseren Festen: Im März feiern wir traditionell den Clubgeburtstag mit unserem Stiftungsfest. Wie es sich für einen Geburtstag gehört kommt man in entsprechend gehobener Garderobe und feiert ein rauschendes Fest. Im Frühling wird dann die Saison offiziell mit dem Ansegeln begonnen. Hierzu wird das Gebäude über die Toppen geflaggt und die Saison unter Hissen des Clubstanders mit drei Salutschüssen begrüßt. Im Sommer folgt dann unser Sommerfest und im Herbst unser Schuppenfest, legendär und in legerer Kleidung unten im Bootsschuppen. Den Saisonschluss bildet das Absegeln, wieder mit drei Schüssen Salut. Natürlich kommt zu Weihnachten auch der Weihnachtsmann im Club zu unseren Kleinsten und das Jahr wird zu Silvester gemeinsam beendet.

Daneben ist Mittwochs Abend immer Clubabend, so wie heute auch, und da sitzt man in geselliger Runde in der Messe, trinkt ein Bier oder Wasser und erzählt sich die Neuigkeiten der Woche oder spinnt ein wenig Seemannsgarn. Böse Zungen behaupten, dass an solchen Abenden die Politik des Clubs am Runden Tisch gemacht wird.

bb:Maritim: Der Club-Website war zu entnehmen, dass der Verein sich stark für die Jugendarbeit engagiert. Bitte erläutern Sie mir doch, was man als Heranwachsender hier alles erwarten kann?

TSC (Kai Jürgens / Nicki Warzecha): Ja, hier bekomme ich leuchtende Augen, auf unsere Jugend sind wir sehr stolz! Die Jugendabteilung des Clubs umfasst etwa 60 Mitglieder und verwaltet sich größtenteils autark. Sie umfasst in der Saison gut ein halbes Dutzend Trainingsgruppen, in denen Kinder, Jugendliche und Junioren das Segeln lernen, perfektionieren und sich auf Regatten vorbereiten. Das geht los bei den ganz kleinen, die so ab 6 Jahre mit dem Opti anfangen. In dieser Jugend-Einmann-Jolle muss man schon alles können, was man später auf den größeren Booten auch braucht: Seemannschaft und taktisches Gespür. Die älteren Opti-Hasen segeln schon wie mit dem Messer zwischen den Zähnen und stehen an Ehrgeiz und Segelvermögen kaum hinter den Großen her. Anschließend wechseln die Kinder dann oftmals in eine Zwei-Mann-Klasse wie dem Teeny oder später dann in den 29er oder 420er. Sind die Jugendliche dann älter kommen vor allem 49er und 470er dran. Für alle diese Klassen kann der TSC selbst oder in Kooperation mit anderen Vereinen Trainingsangebote anbieten. Dazu gehört Segeltraining, Theorie- und Taktiktraining und natürlich auch Trainingslager im Berliner Raum oder an der Ostsee. Doch auch im Winter ist in der Jugend was los: Das Wintertraining, das an fast jedem Tag der Woche angeboten werden kann, umfasst Kraft- und Ausdauertraining und Schwimmeinheiten.

Ein besonderes Highlight in jedem Jahr das Schnuppersegeln. Hier können 24 absolute Anfänger-Kinder in den letzten zwei Wochen ins Segeln hineinschnuppern. Unter fachkundiger Anleitung erlernen sie die Grundbegriffe, bis sie sich dann das erste Mal im Opti selbst fortbewegen. Und der besondere Clou: In der zweiten Woche übernachten Sie hier im Verein und haben daran einen ganz besonderen Spaß.

Ganz besonders stolz sind wir auf unsere Trainer, die zum größten Teil aus unserer Jugendabteilung kommen, hier das Segeln von der Pike auf gelernt haben, meist sogar mit dem Schnuppersegeln eingestiegen sind und ihren Job vollständig ehrenamtlich machen.

So eine aktive Jugendarbeit führt zu Erfolgen. Die Liste der Berliner und Deutschen Meister ist lang. Auch Vize-Europameister durften wir schon feiern. Und wir sind ganz besonders stolz, dass wir 2006 einen Olympioniken im 470er in den Reihen des TSC hatten, der einen hervorragenden 11. Platz belegte. Und die nächste Olympiakampagne ist für 2016 geplant. Dann werden Erik Heil und Thomas Plössel im 49er angreifen!

Ja, und neben der Jugendausbildung haben wir auch einen großen Bereich der Junioren und Erwachsenenausbildung. Hier bieten wir vor allem Führerscheinausbildung der verschiedenen Bootsführerschein (zB Binnen oder Sportboot See) an. Die Theorie wird im Winterhalbjahr gebüffelt, während die Praxis im Frühjahr gelehrt wird. Dazu nutzen wir unsere clubeigenen Boote. Natürlich bilden wir auch für die Funklizenz und den Signalmittel-Schein aus.

bb:Maritim: Ebenfalls aus dem Netz zu entnehmen war, dass sie aufgrund ihres bewussten Umgangs mit der Natur bereits zum 11. Mal mit der Blauen Europaflagge ausgezeichnet wurden. Bitte erklären Sie mir doch, was hinter dieser Auszeichnung steckt!

TSC (Kai Jürgens): Wer segelnd über die Gewässer fährt, entbunden von stinkendem Motorlärm, durch die Naturgewalten angetrieben, der hat für die Umwelt und den Naturschutz ein besonders Gespür. Da ist es nur logisch, dieses auch im Clubleben weiter zu führen. Unser Club hat sich den Umweltschutz auf die Flagge geschrieben und sieht in der Bewahrung der Natur ein besonders Ziel. Dieses wurde durch die inzwischen elfmalige Verleihung der Umweltflagge honoriert. Hier auf dem Gelände sieht man das zum Beispiel an unserem Bootswaschplatz mit integriertem Abscheider. Unser Umweltobmann schult darüber hinaus die Kameraden regelmäßig im Umgang mit Gefahrstoffen, zum Beispiel auch über seine Präsenz auf unserer Homepage, auf der er auch aktuelle Beiträge zum Thema Umweltschutz vorhält.

bb:Maritim: Bitte erläutern Sie mir ihr Club-Gelände (Liegeplätze, Clubhaus etc.)!

TSC (Kai Jürgens): Unser Clubgelände mit ca. 2500 qm liegt nach Südosten ausgerichtet am nördlichen Ende des Tegeler Sees in einer Bucht namens Malche. Es umfasst zwei Steganlagen mit Platz für etwa 60 Boote, einen Bootschuppen und ein Clubhaus mit Messe, Saal und Veranda sowie großer Terrasse. Die Messe wird von einem Wirstehepaar bewirtschaftet, so dass wir neben frischen, kühlen Getränken auch immer eine preiswerte Mahlzeit erhalten können. Unseren Mitgliedern können wir eine nahezu vollständige Infrastruktur bieten. Dieses geht von einer Mastleiter über einen elektrischen Windenslip und einen Bootskran bis hin zu Duschen, Umkleideräumen und der Versorgung mit aktuellen Wetterdaten und WebCam Bildern im Internet. Das Clubhaus kann von den Mitgliedern natürlich gerne für private Feiern genutzt werden oder einfach für einen gemütlichen Schnack mit den Kameraden.

bb:Maritim: Was können Gäste anderer Clubs und Regionen bei Ihnen erwarten?

TSC (Kai Jürgens): Der TSC ist sehr gastfreundlich, das ist schon fast sprichwörtlich. Segler aus anderen Vereinen sind uns immer sehr willkommen. Wir freuen uns, kühles Getränk und nette Runde inklusive.

bb:Maritim: Liegt Ihnen noch etwas am Herzen, was Sie im Beitrag über ihren Club publiziert sehen wollen bzw. was ich vergessen habe, zu fragen?

TSC (Kai Jürgens): Ja, irgendwie habe ich die Frage erwartet, wie Sie nun bei uns Mitglied werden können: Auch dazu ein paar Worte. Wir sind natürlich immer an neuen, interessierten und dem Segelsport zugewandten Mitgliedern interessiert, besonders in Ihrem Alter! Dazu reicht ein kurzes Mail an uns und dann wird sich unser Kommodore mit Ihnen in Verbindung setzen und sie zu einem unverbindlichen Informationsgespräch treffen. Anschließend stellen Sie sich der Versammlung vor und werden zunächst vorläufig aufgenommen. Nach etwa einem Jahr erfolgt dann die endgültige Aufnahme.

Wir heißen Sie herzlich willkommen!

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