Ein halbes Match Race und ein riesiger Haufen Gras

Das TSC Laser Match Race ist in jedem Sommer eine willkommene Gelegenheit für viele Segel-Haudegen die ob Ihrer Gemütlichkeit liebgewonnen Dickschiffe zu verlassen und sich der wahren, feuchten und ehrlichen Herausforderung Mann gegen Mann (bzw. Mann gegen Frau, Frau gegen Frau oder Frau gegen Mann usw.) in einer offenen und kippligen Jolle zu stellen. Was die Kombatanten antreibt, ist der Spaß am Segeln, die Freude am direkten Duell und vielleicht auch ein wenig der bewundernde Blick der Fans auf dem Kopfsteg, wenn man nach heißem Kampf ermattet mit dem Schlauchboot wieder an Land gebracht wird. Und die Fans, was lässt sie stundenlang ausharren?

Es ist wohl kaum der Versuch des einen oder anderen Protagonisten sein Bierbäuchleinansatz durch einen Neoprenanzug und eine fesche Badehose '71 zu kaschieren, sondern vielmehr das Hoffen auf eine kleine nette Böe, die ganz genau zur falschen Zeit am falschesten Ort und aus der absolut falschen Richtung einfällt und so zu einer beschaulichen Kenterung oder einem durchaus nicht lehrbuchreifen Manöver mit nachfolgender Haltungsnoten-Verteilung führt. Ja, ein typischer Pinnenwender rückwärts, der dem Publikum den fast blanken Hintern des Seglers bietet und dem Gegner die Chance unten durch zu fahren, das ist schon mal eine glatte 5.5 wert. Und eine nette Kenterung in der Startphase, die der langbeinige Held mit ein wenig Rumgehoppse auf dem Schwert noch fast pünktlich zum Startschuss nahezu perfekt meistern konnte, bringt sogar eine 5.8 mit nachfolgendem Applaus aus Kennerhand.

Jedenfalls ist es ein Spaß für die ganze Familie und so trafen sich in diesem Jahr urlaubs- und regattabedingt leicht dezimiert, 13 Laser-Heros: von El Campensino, dem grünen Frosch, Hiaf bis hin zu Halligalli und dem Fast Frank war die gesamte Laser Match Race Elite 2008 am Start. Sicher, ob des vorausgegangenen Junggesellenabschieds unseres Ehrenmitglieds, war die Leistungsfähigkeit einiger noch leicht reduziert, aber ansonsten waren alle bei allerbester Laune. Nach der Taufe des 420er von Tim & Arved begannen die Vorbereitungen und schon eine Stunde später war der Ponton, mit Flaggen und Stühlen geschmückt in der Malche verankert, Tonnen für den nervenzermürbenden Up-and-Down-Kurs ausgelegt, die Laser am Kopfsteg angebunden und Jessi rief zum Skipper's Meeting. Das Wetter wäre gut, trocken, etwa 23°C, manchmal würde die Sonne herauskommen und der Wind käme mit etwa 3 Bft, in Böen auch gerne mehr, aus Richtung Borsig. Ideale Bedingungen also.

Und schon ging es los. Der Showbär (Florian S.) und der Achimsche (Achim V.) eröffneten den Reigen. Bei schickem Wind jagten sie über den Kurs. In der Folge ging es Schlag auf Schlag. Paarung folgte auf Paarung. Um die Wechsel zu beschleunigen, wurden die Segler vom Bombard an die Laser gebracht. Spannend ging es auf den Scorecards zu. Holger und Achim lagen gut, gewannen ihre Rennen, wenn mitunter auch nur denkbar knapp. Und auch für die Fankurve gab es was: Da legte Frank den Laser kurz vorm Start auf die Seite, da gab Rainer einen schon sicher geglaubten Vorsprung durch ein Flautenloch wieder her und Peter haderte mit de Großschot, die er als Reinkarnation des Seiles von Gordios mitsamt seines Knoten entlarvte.

Erst um 18 Uhr hatten die Segler genug und fuhren die Boote wieder auf den Slip. Der Wind ließ nach und durch die Wolken wurde es langsam kühl. Zufrieden diskutierte man die letzten Manöver am Runden Tisch und freute sich auf den nächsten Morgen, wenn nach den letzten Vorrundenrennen endlich die Finalrennen im KO-System den ganzen Kerl (bzw. Kerlin) zeigen sollten.

Doch es kam anders: Der nächste Morgen begrüßte die Kameraden mit einem wolkenverhangenem Himmel und mal so ganz ohne Wind, nee, so gar nichts, nein, noch weniger, nö, nicht mal Treib-Bedingungen. Ratlosigkeit machte sich breit. Was tun? Jessi steckte erst mal die Startverschiebung. Also warten. Warten auf Wind, aber die alteingesessenen TSCer kannten das Wetter nur zu genau. Nee, da kommt heute nichts mehr...

Aber Warten ist langweilig, also sucht sich der rastlos umtriebige Durchschnittskamerad eine Arbeit. Denn so ganz ruhig nur am Runden Tisch sitzen, das kann er nicht. Endlich die Idee: Man erinnerte sich an die letzte Sitzung und den dringenden Appell des Hafenmeisters (in Abwesenheit durch die Vorsitzende verkündet), dass unser so schöner Club einer perfiden Bedrohung ausgesetzt ist. Sie kommt aus dem Wasser, ist lang und grün und glitschig und stinkt etwas. Wenn man nichts gegen sie unternimmt, wird sie von den Steganlagen Besitz ergreifen und die Ausübung des Sportbetriebs auf lange Zeit nahezu lahm legen. Seegras und Wasserpest heißt das Übel. Wasserpflanzen, die im seichten warmen Wasser des Sees nur zu gut gedeihen und sich bis direkt unter die Oberfläche entwickelt haben. Und wenn ein ahnungsloser, unschuldiger Jugendtrainer dann sein Schlauchboot zu Wasser lässt, dann greifen Sie an. Mit langen, faserigen Armen legen sie sich vor die Kühlwasserlöcher, um die Schraube und fesseln die Welle. Bislang entkamen die armen Trainer noch mit knapper Not, oftmals nur durch Anwendung körperlicher Gewalt, und konnten so das Desaster eines ausgefallenen Trainings gerade noch verhindern. Aber ein Lösung musste her: die Gras-Busters!

Und eben diese Kämpfer für das Gute im Wasser fanden sich an diesem windstillen Sonntagmorgen zusammen. Angeführt von Kai und Paul im Neopren waren gut acht Gras-Busters im Einsatz und rückten dem gefährlichen Schraubenfeind aus dem See mit Harken und Schubkarren zu Leibe. Sie durchkämmten den Seeboden und entrissen dem Gras so sprichwörtlich den Boden unter den Füßen (äh, Wurzeln) und beförderten es mit einem gepflegten "Schmatz" auf die Schubkarren, von wo aus die wellenblockierende Fracht seine letzte Reise auf Hans Komposthaufen antrat.

Das Gefecht Harke gegen Gras war zwar heftig, doch so eine richtige Chance hatte Bio nicht. Nach gut 2 Stunden erlöste eine heiße Dusche Jessi von dem Zwang den ganzen Tag den Neoprenduft ihres Göttergatten zu ertragen und siegreichen Gras-Busters erholten sich bei einem kühlen Erfrischungsgetränk und einer anschließenden Partie Boule. Was sollte man denn auch sonst an einem so windstillen, leicht regnerischen Sonntagnachmittag machen?

Kai Jürgens

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