Yardstick-Zahlen für die Clubwettfahrt

Der Segler des TSC an sich steht ja vor einem sehr großen Problem: Er weiß ja gar nicht, was er für ein Schiff kaufen soll. Zu viele Eigenschaften muss sein schwimmendes Prachtstück besitzen, dass ein einfacher Werftbauer es umsetzen kann. Es muss eine gewisse Größe und hinreichend ebene Flächen aufweisen, denn schließlich will man es ja als Sonnenbadeplattform an warmen Sommertagen zur Erlangung einer typischen Seglerbräune nutzen. Dann muss es sich durch einen geringen Tiefgang aufweisen, denn mit 1.90m wird der See ziemlich klein und die Försterbucht als beliebter Ankerplatz würde damit nahezu unerreichbar.

Darüber hinaus muss das Rigg möglichst einfach gestrickt sein, damit auch die kleine Crew keine Probleme beim Handling und vor allem beim Auf- und Abslippen hat, schließlich steht ein Großteil der potentiellen Mannschaft lieber am Tresen auf der Terrasse, als beim Spannen der zigsten Unterwant zu helfen. Und dann muss es natürlich auch wohnlich sein, denn schließlich empfängt man zum Sektumtrunk auch mal die Freundinnen. Ja, und schließlich sollte es auch noch segeln können, denn die Clubwettfahrten rufen ja auch, und da möchte man nicht immer als erster in der Preisverteilung genannt werden. Und so hat der segelnde TSCer ein Problem. Er kann sich für eine GFK-Leer-Hülle entscheiden, die nach jeder Regatta herausgenommen und liebevoll an Land von Kalk und vorwitzigem Algen-Pionierbewuchs gereinigt wird oder für ein Einfamilienhaus auf Schraube, was dem Bräunungsbedürfnis der Tochter zwar gerecht wird, doch sich nicht gerade durch sportliche Segeleigenschaften auszeichnet. Der rechte Kompromiss ist schwer zu finden. Und so findet sich im Club eine breite Definitionsbasis für das ideale Schiff.

Jedoch, wenn die Wettfahrtleitung zu den Clubregatten aufruft, trennt sich die Spreu vom Weizen und es zeigt sich, dass diejenigen, die die Prioritäten weg von einem gepflegten Teint hin zu einer eher spartanischen Ausstattung verschoben haben, eher vorne fahren, und das eigentlich immer. Kein Wunder also, dass die Wohnlichkeitsjünger oder gar die, die ihr schwimmendes Wohnzimmer sogar auf die salzwasserverseuchten Reviere treiben wollen, hier benachteiligt sind und oftmals aus Frust die Club-internen Wettsegeleien gar boykottieren.

Na klar, es gibt die Yardstick-Vergütungen, also Umrechnungsfaktoren, die bewirken sollen, dass auch baulich bedingt langsame Schiffe, sich mit den Rennkatzen messen können, doch diese sind oftmals Mondwerte und werden den individuellen Ausstattungen nur unzureichend gerecht. es hat sich schon immer gezeigt, dass für den TSC eigene Werte von Nöten sind, um allen den Spaß an der Clubwettfahrt zu erhalten. Einen ersten Versuch solche Werte festzulegen beschritt Klaus Liebenow, als er den nach ihm benannten Liebenow-Faktor definierte. Doch als Klaus aus der Wettfahrtleitung ausschied, wurde auch sein Faktor in die Analen überwiesen. Man kehrte wieder zurück zu den Yardstickfaktoren. Es wird Zeit, neue Faktoren zu definieren, die die Gegebenheiten im Club und des Reviers besser widerspiegeln. Sicher, es wird nie gerecht sein können, immer werden die, die hinten sind, auf die Faktoren schimpfen, während sich die Sieger vorne eins feixen. Doch wenn es viele verschiedene Sieger und Verlierer gibt, mag man den Frust in Grenzen halten.  In diesem Sinne habe ich mich in meiner Funktion als stellvertretender Wettfahrtleiter mal rangemacht und einen Algorithmus erarbeitet, den ich vorstellen möchte und zur Diskussion anbiete.

Die Frage, wie man die neuen Werte berechnen soll, stellt sich als schwierig dar. Man benötigt zunächst ein Boot, welches unter den Bedingungen hier am See (also zumeist wenig Wind, kaum Welle, keine Strömung und wechselnde Windrichtungen) eine möglichst gleichförmige Leistung bringt und zudem in ausreichend hoher Zahl vertreten ist, so dass das Rechnen eine gute Datenbasis hat. Hier bietet sich das IF-Boot an.

Das IF Boot ist somit das Normboot.

Dann nehme man bei einer beliebigen Club-Wettfahrt die Zeiten aller IFs und bilde daraus einen Mittelwert. Das ist die Normzeit für diese Wettfahrt. Diese Normzeit definiert man als Yardstick 112 (das ist der IF-Boot Wert aus der Yardstickliste der Kreuzerabteilung).

Nimmt man nun für einen anderen Bootstyp die Durchgangszeit, teilt sie durch die Normzeit und multipliziert mit 112, so erhält man für dieses Boot in dieser Wettfahrt einen Yardstickfaktor. Für Boote, die langsamer als die IFs waren, ist der Wert größer als 112 und für Boote die schneller waren kleiner. Ein Beispiel: Die IFs sind im Mittel 112 Minuten unterwegs gewesen. Die X-79 brauchte für den Kurs aber nur 100 Minuten. Man rechnet 100/112x122 und erhält somit als berechneten Yardstick 100 für die X-79.

Sehr schön, man kann nun also für jede Wettfahrt eine Yardstickzahl für jedes Boot berechnen, prima!

Da gibt es aber noch ein paar Probleme: Die IFs sind ja nicht alle gleich schnell und man hat ja auch nicht immer gleich viele IFs am Start. Irgendwie erscheint es ja logisch, dass je mehr IFs am Start sind und je dichter sie ins Ziel kommen, um so besser ist der berechnete Faktor für die Bootsklasse. Wieder ein Beispiel: Wir haben eine Regatta mit dummen Bedingungen, wie wenig Wind mit vielen Drehern. Wenn dann auch noch wenig IFs am Start sind, werden die paar vermutlich recht unterschiedlich ins Ziel kommen. Der Mittelwert der Zeiten wird recht ungenau und so ist auch der berechnete Yardstickfaktor für die X-79 ungenau.

Dieses Problem kann man statistisch mit dem so genannten Konfidenz-Intervall lösen. Wie dieses berechnet wird, ist eine Frage an die Hilfe-Funktion von Excel oder einen der Studienräte in unseren Kreisen, für unsere Betrachtung soll reichen, dass das Intervall zwischen 0 und 1 liegt, wobei 1 "toll" und 0 "doof" bedeutet und uns sagt, wie zuverlässig der berechnete Yardstickfaktor für diese eine Wettfahrt ist.

Aber es gibt noch eine Bedingung zu beachten: Wenn die Wettfahrt lange dauert, wirkt sich der Yardstickwert stärker aus, als bei einer kurzen Wettfahrt. Auch hieraus kann man wieder einen Wert zwischen 1 "toll" und 0 "doof" bestimmen, indem man die Dauer der jeweiligen Wettfahrt durch die längste Dauer aller Wettfahrten teilt. Somit bekommt man zwei Werte zwischen 0 und 1, die beschreiben, wie wichtig und aussagekräftig der berechnete Yardstickfaktor für eine Wettfahrt ist. Man kann nun der Einfachheit halber beide Werte miteinander multiplizieren, das macht die weitere Rechnerei etwas leichter.

Nun schauen wir uns mal eine ganze Reihe von Wettfahrten an, zum Beispiel die Clubwettfahrten von Juli 2004 bis Mai 2007 (denn nur die habe ich im Computer). Sagen wir mal, die X-79 ist hier 6 mal gestartet. Man erhält somit 6 berechnete Yardstickfaktoren (für jede Wettfahrt einen) und 6 Werte zwischen 0 und 1, die aussagen, wie aussagekräftig die Faktoren sind. Hieraus kann man einen Mittelwert bilden, wobei die aussagekräftigsten am stärksten in den Mittelwert eingehen. Man erhält so für jeden Bootstyp aus einen Club-Yardstickfaktor, der sich nur aus den bisher gesegelten Ergebnissen ergibt.

Da kommt man natürlich zu einem neuen Problem: Wenn ein Segler nur an wenigen, am schlimmsten nur einer einzigen Clubwettfahrt teilgenommen hat und sein Boot einzigartig im Verein ist, dann ist dieser berechnete Yardstickwert natürlich ein Mondwert (genauso gut hätte ich auf der Berliner Strasse Hausnummern aufschreiben können...). Es macht daher Sinn bei Booten, die wenig gestartet sind, den Yardstickfaktor der Kreuzerabteilung zugrunde zu legen. Der Einfluss dieses KA-Yardstickfaktor muss aber mit zunehmender Teilnahme abnehmen. Wenn man also, zum Beispiel, 10 mal teilgenommen hat, so sollte der berechnete Yardstick und nicht mehr der Kreuzer-Yardstick rauskommen. (für die Cracks: ich habe das mit einer Exponentialfunktion gelöst. Wenn man nur einmal gestartet ist, sind 66% des Yardstickwertes der KA-Faktor, ist man jedoch 10 mal gestartet sind es nur noch 0.01%, dann gilt also zu 99.99% der berechnete Wert).

OK, nun haben wir genug Theorie gehabt, hier die wichtigsten Punkte im Überblick:

Das IF ist das Normboot, es erhält den Yardstickfaktor 112. Alle anderen Bootsklassen werden auf diesen Wert bezogen. Aus allen Wettfahrten wird so für jede Bootsklasse eine Yardstickzahl gemittelt (die Qualität der jeweiligen Wettfahrt (Dauer und Anzahl IFs) wird berücksichtigt). Bei Wenigstartern wird die Kreuzer-Yardstick mit eingerechnet.

Die Datenbasis wird fortgeschrieben, so dass in jeder Saison neue Zahlen errechnet werden können.
Und hier ist sie also: Die TSC-Clubwettfahrt-Yardstickliste (zur allgemeinen Diskussion im Vergleich zu den Kreuzer Abteilung Yardstickzahlen).

Bootstyp    TSC YS
ohne 2. CW 07    TSC YS mit 2. CW 07    KA YS

15qm Jollenkr. Tour.  (7/8)    112    112    109
20qm Jollenkr. Tour   (7/8)    116    116    105
505 er    91    91    93
5m-R-Yacht    107    105    110
Albin Vega  (Topp)    119    119    115
Bandholm 24  (Topp)    122    122    120
Bandholm 24 EinbauM    129    129    122
Biga 262    (BinnR)    116    116    111
Dehler 31    103    103    104
Dehler Dehlya 22 (7/8)    116    116    113
Dehler Dehlya 25 Ein    115    116    114
Dehler Delanta 75    119    119    114
Dehler Optima HT/92 15/16    110    111    107
Dehler Varianta    119    115    115
Dehler Varianta K65        121    (116)
Europe    115    115    116
Folkeboot, Nordisch    119    119    114
H-Boot    103    103    106
IF-Boot    112    112    112
Jeanneau Sun Odyssey 32.2    116    116    111
Laser Standard    110    108    113
O-Jolle  Renn    114    114    112
Randmeerjolle    118    118    115
Sirius 26    120    120    116
Sprinta DS    109    109    111
Teeny    141    141    138
Trio 80    122    123    111
Victoire 25 alt    124    124    115
X-102 MK I    96    96    97
X-79    94    94    101
Yngling    108    108    112

Kai Jürgens

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