Nein, ein toller Sommer war es 2007 nun wirklich nicht. Nach ein paar schönen Tagen im April und Mai definierte sich der diesjährige Sommer lediglich durch die Tatsache, dass es Sommerferien gab. Die brachten zwar weder die Sonne und somit auch keine größeren Einnahmen an den Kassen des Freibads Tegel noch führten sie dazu, dass die Falten auf den Stirnen der Wettfahrtleiter des TSC glätteten, da sie recht spät im Jahr lagen. Eigentlich sind späte Sommerferien kein Faltenthema, zumal das Wettfahrtleiterpärchen noch kinderlos ist, und sich somit nicht Ende August an überfüllte Mallorca-Strände mit einem großen Haufen nörgelnder Deutschen, laut singender Holländer und nach verbranntem Fleisch stinkender Engländer legen muss.

Doch in einem anderen Aspekt tangiert die Lage der Sommerfreien, Wetter hin oder her, die Gehirnzellen der Wettfahrtleitung schon. Denn je später die Ferien, desto kürzer der Zeitraum zwischen dem Ende ebendieser und dem Aufslipp-Termin. Und das bedeutet natürlich, die Wettfahrtfahrten der Spätsommer-Fraktion an umso weniger Wochenenden zusammengepfercht werden. Die Stirnfalten-Show wird insbesondere bei stark wassertemperaturabhängigen Veranstaltungen wie dem Laser-Match-Race ein einprägsames Erlebnis. Das Race darf natürlich nicht zu früh im Jahr liegen, denn dann zeigt der Wassertemperatursensor (wenn er denn mal gerade was sinnvolles anzeigt und nicht vom Hafenmeister sabotiert wird, aber das ist eine ganz andere Geschichte) noch erfrischende 12°C, was Marina sicher nicht abschrecken würde, den Teilnehmerkreis jedoch ungewollt auf die Freunde des schwarzen Gummis einschränkt. Auch ein Termin der jenseits der herbstlichen Tag-Nacht-Gleiche liegt, ist nicht wirklich angenehm, da auch hier schon wieder die Wassertemperatur die Haut nach Eau de Neopren riechen lässt. Also blieb 2007 nur das recht enge Fenster zwischen dem letzten Augustwochenende und dem zweiten Septemberwochenende. Und hier drängten sich die Termine. Schließlich fanden sich der 1. und 2. September. An diesen Tagen fand zwar auch die Willi Thomas Gedächtnis Regatta statt, da die Schnittmenge der Teilnehmer jedoch überschaubar war, konnte auf Einzelschicksale keine weitere Rücksicht genommen werden.

Etwa 18 Teilnehmer standen an einem bewölkten Samstagmorgen auf der Fürstenterrasse des TSC. Kai machte eine kurze Steuermannsbesprechung. Es wurde auf zwei Lasern im Match Race Modus gesegelt. Der Kurs war als Up-and-Down vor dem Kopfsteg ausgelegt. Ein rascher Blick von der Terrasse auf die Malche bestätigte dies: Der Prahm lag mit der Lee-Tonne Richtung SVT, die Luv Tonne befand sich schon fast auf dem ersten Franzosensteg, wobei Jessi auf dem Schlauchboot noch einen letzten Versuch unternahm den Kurs den wechselnden Windbedingungen anzupassen.

Dann begann der Spaß. In zwei Gruppen traten die wackeren Recken und Reckinnen gegeneinander an. Jessi startete die Kontrahenten. Vom Kopfsteg dröhnte Musik und dank des Sponsoring eines großen Limonadenherstellers, waren alle Teilnehmer richtig munter und beflügelt. Die Meute hockte auf den Bohlen, hungrig auf heiße Manöver und spektakuläre Kenterungen. Und lange brauchten sie nicht zu warten. Der Wind war böig und mitunter durchaus kräftig, so dass auf den Down-Wind-Kursen der eine oder andere Sonnenschuss zu sehen war. Nach drei Durchgängen war dann Schluss, denn am Abend rief das TSC-Sommerfest und vorher sollte man sich natürlich noch ein wenig in Schale schmeißen.

Am Sonntag morgen zeigte sich das Wetter ebenso launisch, wie am Vortag. Die Vorläufe wurden mit einem weiteren Durchgang beendet und dann zog sich Kai zurück, um die Finalrennen auszurechnen. Die jeweils vier Besten der beiden Vorlaufgruppen traten im Viertelfinale an. Hier gab es ein wahres Favoritensterben, das auch unseren Edeloplympioniken betraf. Dieser wand sich anschließend wieder dem Bau seiner Sliprampe zu, einem Konkurrenzprogramm, welches den einen oder anderen Zuschauer erfolgreich abwarb. Schließlich rechnete sich der geneigte Beobachter bei vorsichtig, knapp über der Malchenoberkante auf schmalen Stahlträgern balancierenden, vollbekleideten Kameraden höhere Chancen aus, einen Unterwäsche wässernden Platscher zu erleben, als bei den doch recht professionell agierenden Laser-Domteuren.

Das Halbfinale bestritten dann Helge Schröder gegen Tim Freiheit und Max Popken gegen Sonja Berger. Helge lag lange Zeit vorne, doch kurz vor dem Ziel konnte Tim ihn noch abfangen. Noch spannender ging es im zweiten Halbfinale zu: Sonja fuhr einen sicheren Vorsprung heraus, doch wählte sie für den Weg zum Ziel das Windloch, was für einen Sieg bekanntermaßen ungünstig ist. Max kam von hinten mit der vermeintlichen Gewinnerbrise, doch erreichte diese Soni gerade noch rechtzeitig, um sie mit einer halben Bootslänge Vorsprung ins Ziel zu drücken. Doch Max Kummer währte nur kurz. Im kleinen Finale konnte sein Gegner Helge nicht mehr antreten, so dass ihm der 3. Platz sicher war. Spannend ging es im Finale zwischen Soni und Tim zu. Wieder gelang Soni der bessere Start und eine sichere erste Runde. Auch auf der zweiten Kreuz zeigte sie seglerische Klasse. Doch Tim bleib in Schlagdistanz und als der Wind auf dem letzten Vorwindkurs erneut nachließ, schob er sich an Soni heran. Ein America's-Cup verdächtiges Finale mit wenigen Zentimetern Abstand brachte schließlich den Sieg für Sonja.

Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr, in dem die Faltencreme zwar im Schrank bleiben kann, da die Ferien früher sind, die Spannung und Begeisterung jedoch wieder knistern wird. Denn eines ist sicher: Laser rules (besonders nach Lee)!

Kai Jürgens

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