Seit der Kieler Woche im Juni stand es amtlich fest. Lucas und ich durften Deutschland bei den Olympischen Wettkämpfen im Segeln repräsentieren. Für uns beide verwirklichte sich mit dieser Nachricht ein großer Traum.

Schon bald nach der Nominierung konnten wir dann auch schon nach Mainz zur Einkleidung fahren. Einige Stunden brauchten wir schon, um unsere neue Uniform anzuprobieren. Letztendlich hatten wir aber beide eine große Tasche mit vielen neuen Klamotten. Gleich einen Tag später ging es dann auch schon los: Nach Athen.

Jedoch vorläufig erst für 2 Trainingslager. Schon hier bekam man einen ersten kleinen Vorgeschmack auf das große Finale. Denn völlig untypisch trainierte aus jeder Nation nur ein Boot pro Klasse auf dem Wasser. Und jeder wusste, wer hier herum fährt, hat es geschafft.

Geschafft, eine Woche nach unserem letzten Training ins Olympische Dorf einziehen zu dürfen. Und so kam es auch. Am 9. August flogen wir über Frankfurt nach Athen. Schon im Athener Flughafen wurden alle Sportler von den normalen Passagieren getrennt und in Shuttlebusse zum Dorf gesetzt. Da wir uns bereits während des letzten Trainings akkreditiert hatten, konnten wir ohne Unterbrechung die Sicherheitsschleusen passieren und in unser Haus C11 einziehen. Die 4 Doppelzimmer pro Appartement waren nur mit dem nötigsten ausgestattet, eine Klimaanlage und für jeden ein Bett, sowie ein Schrank. Acht Personen teilten sich eines von 8 Appartements in einem Haus.

Noch am selben Tag erkundete ich zusammen mit meinem Zimmergenossen Toni Wilhelm (Surfer) das Dorf. Normale Busse, die man aus dem Nahverkehr kennt brachten einen innerhalb des Dorfes wohin man wollte. Es gab überall Haltestellen, so dass man nur einsteigen brauchte um die Rundfahrt durchs Dorf beginnen zu lassen. Oben im Norden des Dorfes gab es verschiedene Trainingsmöglichkeiten: In zwei Hallen waren hunderte Fitnessgeräte aufgebaut, eine 400m-Bahn mit sämtlichen Equipment für die Leichtathleten, ein großer Swimmingpool (8 50m-Bahnen) und Tennisplätzen lagen ebenfalls dicht daneben. Am Haupteingang im Westen des Dorfes lag das Versorgungszentrum: Neben der Mensa (etwas 2 Fußballfelder groß) erstreckte sich die Internationale Zone. Hier konnte man Internationale Zeitschriften erwerben, zum Friseur gehen, seine Sachen waschen und bügeln lassen oder ins Internetcafe gehen. Außerdem befand sich hier auch eine Bank und eine Post in der man seine persönliche Briefmarke mit seinem Foto machen lassen konnte.
Gleich am nächsten Tag hatten wir unsere Vermessung. Etwas mehr abgeschirmt, aber ansonsten ähnlich wie bei anderen großen Regatten, wurde unser 470er als vorletztes vermessen. 250 Gramm war er zu leicht, was wir auch erwartet hatten, mehr gab es nicht zu beanstanden. Vom 11.- 13. konnten wir dann noch das Boot kontrollieren und uns dabei ein wenig einsegeln.

An der Eröffnungsfeier nahmen wir nicht teil, da wir ja gleich am ersten Tag unsere Olympiapremiere hatten. Gegen 9.00 Uhr ging es zum Frühstück in die Mensa, um 10.00 Uhr fuhr unser Bus in Richtung Hafen ab. Mit ihm wurden wir in etwa 35 Minuten vom Norden Athens in den Süden kutschiert. Alle Busse bekamen stets eine Polizeieskorte und durften die Olympiaspuren benutzen. So ging es jeden Morgen um zur selben Zeit an vielen Staus vorbei. Angekommen im Hafen hat man das Boot aufgebaut und sich über Änderungen der Segelanweisungen und das Wetter informiert, anschließend umgezogen (Badehose) und gegen 12.00 Uhr abgelegt.
Leider starteten wir nicht besonders gut mit unserer Serie. Nach dem ersten Tag und den ersten beiden Läufen lagen wir auf dem 17. Rang von 27. Startern. Der zweite Tag war der einzige Renntag für uns, der sich von den anderen abhob: Es gab mal mehr als 3 Bft. Wind. Mit einem 10 und 11 Platz schoben wir uns in der Gesamtwertung vor auf Platz 14. Am folgenden Tag wurden unsere Wettfahrten wegen zu viel Wind auf den Reservetag verschoben. Leider ging es hier mit dem Wind wie zu Anfang weiter. Im Tagesverlauf frischte er von 1 Bft. bis maximal 3 Bft. auf. Dabei drehte er mit vielen großen und kleinen Drehern immer weiter nach Links. Das hört sich alles ziemlich einfach an, war es leider nicht. Denn ein Konzept wie stark er nach Links drehte und vor allem wann er dahin drehte gab es nicht. Ganz im Gegenteil gab es mal mehr, mal weniger starke und häufige Rückdreher mit denen das gesamte Feld durcheinander gewürfelt wurde. Zum Schluss der Serie konnten wir  dann aber doch noch mal etwas Gas geben und verbesserten uns auf den 11. Platz. Unser Ziel unter die Top 10 zu kommen haben wir leider knapp verpasst. Ich bin dennoch zufrieden mit unsrem abschneiden, denn unsere vorherigen Saisonergebnisse ließen sehr zu wünschen übrig.

Die zweite Woche der Olympischen Spiele verbrachte ich dann hauptsächlich als Zuschauer. Über das NOK bekamen wir täglich Tickets für andere Wettkämpfe. Von Dressurreiten bis hin zur Leichtathletik konnte ich mir viele andere Sportarten anschauen und die Spiele noch richtig genießen. Abends traf man sich dann auf ein zwei manchmal auch drei Bier im Deutschen Haus oder auf dem Berlin Boot.

Alles im Allem kann ich diese Veranstaltung jedem nur empfehlen. Denn ein tolles und unvergessliches Erlebnis war es alle mal.

Zum Schluss möchte ich mich noch bei denen bedanken, die mir auf dem Weg nach Athen in irgendeiner Art und Weise geholfen haben:

Rosemarie, Peter, Lena & Michael Krabbe, Jana Hicking, Eike Hoff, Bernd Dehmel, Oliver Tusche, Jörg Pfeiffer, Reiner Quandt, Martin Schlaaff, Jörg Lehmann, Rigo de Nijs, Lucas Zellmer, Robert Remus, Ralf Butzlaff, Stefan Schneider, Nicolas Warzecha, allen TSCern, SpYC, FES, EWE, Musto, FSE, YAAS, Berliner Segler-Verband, OSP-Berlin, Segelform, Uwe Fiedler, Sonja Berger, Katharina Dietz, Hauke Hand, Klaus Harte, Peter Hetzel, bei allen Trainingspartnern der letzten 17 Jahre, und vielen vielen mehr.

Vielen Dank

Euer Felix

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