Da saßen wir am Seegrund in unserer Lieblingskneipe (die mit dem Regenbogenfisch über der Tür) rauchten Seegras (Mallblubblub light), tranken polnisches Leichtöl (direkt aus der Schute) und spielten Texaco Butt'em Poker, als mit einem Mal unser Boss reinkam. "Mist, Neppi kommt, Karten wech", raunte Holgerine zu Pauline und mir. "Sch....! Kailine, lass den Stoff verschwinden!", flüsterte Pauline mir wie ein kavitierendes U-Boot ins Ohr. Tisch sauber, Kippen in die Seerosen und die Buddel unter den Frischluftsprudler. Meine "Freundinnen" und ich griffen noch schnell nach einem Gläschen Bewag Südufer Auslese und schon waren wir wieder die liebsten Nixen vom See.

Doch Boss Neptun hatte keine Augen für uns, unsere Hektik oder - wie sonst - unser Dekolleté. Er hatte schlecht geschlafen, das sah man, die Frisur war noch wilder, als eh immer schon. Es war noch vor 11 Uhr und sein Kaffee war wohl verdünnter als Babypinkel im Freibad. Mürrisch und laut fluchend grüsste er die morgendlichen Gäste der Spelunke: "Diese Moränengesichtigen Schwanzlurche mit Quallenfädenfrisur, diese rücksichtslosen anemonenleibigen Badewannenpi-raten! Wie können die nur! Schon wieder 4 neue! Habt ihr sie gesehen, nein!, habt ihr sie gehört, diese Knurrhahnkommunisten! Sie haben mich geweckt, sie haben mich gestört, sie haben mich mit ihren neuen Schiffen auf Trab gehalten, wie eine Kaulquappe im Storchenteich! Nein, die 4 haben keinen Respekt gezeigt, mir Neptun gegenüber, diese Barschbolschewisten! Oh, oh, die-se, diese ...." Und damit kam er an unseren Tisch rüber. Wir kannten diese Laune, bloß schnell mit einfallen, vielleicht bemerkte er dann nicht, dass wir durchaus schon ein wenig nach Schnaps dufteten, so hinter den Kiemen.


"Ja, ganz recht. Kein Respekt diese Windlöcher, denen sollte man die Flötenfischtöne beipulen. Demut sollen sie lernen, vor Dir, Neptun. Lass sie uns taufen!" schimpfte ich mit los. Holgerine und Pauline kapierten erstaunlich schnell für blauhaarige, vollbusige Schönheiten: "Taufen, ja taufen, ganz hart taufen!!" Bemerkten sie so etwas von damenhaft, dass sich vor Schreck die Quallen umstülpten. Dieses und ein kräftiger Schluck aus der leider unter dem Sprudler nur un-zureichend versteckten Leichtölbuddel besserten die Laune des amtlich bestellten Seeverwe-sers Sprengel Berlin/Brandenburg, Gemarkung Nord-West (so die offizielle Dienstbezeichnung, die der Boss aber überhaupt nicht hören mochte), wesentlich. "Jo, Demut, sehr gut. Die sollen schwere Fragen beantworten, wozu war ich denn zur See? Berliner Motte, hab ich Dir eigentlich mal erzählt, wie wir 1765 vor Kap 'orn...", "Ja, Neptun, ja..." Pauline mochte es gar nicht, wenn er diesen Namen nutzte und das Seemannsgarn war so alt, dass wir daraus schon Troyers ge-strickt hatten, die bei KIK inzwischen das zweite Mal verkauft wurden.

"Und wenn die Sandburgenbauer die Fragen nicht wissen, dann...", rettete Holgerine die Situati-on und wir fielen sofort ein: "Shampoonieren, Rasieren, Barbieren!!!" Glattrasiert auf See, wie peinlich! (Das dürfen nämlich nur wir, die Nixen, und da fragt man sich, warum das morgens in der Luftsprudlerdusche so lange dauert, wenn so ein Schwanz doch nur Schuppen hat...). Inzwi-schen und nach der halben Flasche polnisches Edel-Destillen-Kolonnen-Gebräus, schüttete sich der Boss vor Lachen: "jo,jo, jo, die 4 sollen mich kennen lernen! Dieser Schreibtisch-Vierfüßler Christian Bönker, der sich jetzt den Biga-Kahn von dem Schummerleuchter Henner Quade schanghait hat. Und was hat der nun: Ne Hanse, als wenn's ne Kogge wäre, harharhar. Und dann ist da noch dieser Flautenpinneur Mario Boldt, dem werde ich zeigen, wie man in den Scheren mit ner Dehler 28 im Nebel stecken bleiben kann. Aber am besten gefallen mir die bei-den Willings, die die Rennziege von X-34 hier eingesperrt haben. Kaum den Gennaker hoch, schon ist der Tümpel zu Ende, hohoho, wahre Dunkelkieker... jo, das sind mir die richtigen! Lass uns die man taufen, das wird ein Spaß!! Kommt Mädels wir wollen, Große Robbe, hol den Kahn mit dem wohlbeleibten Fährman ran!" (Holgerine mochte es gar nicht, wenn er diesen Namen benutzte). "Kieler Sprotte, die Utensilien, her damit!" (Ich mochte es gar nicht, wenn er diesen Namen benutzte), "Berliner Motte, noch ne Buddel, aber nich' wieder auf meinen Nagel!" ( Pau-line mochte, ach das hatten wir ja schon...)

Und so landeten wir an, an einem Samstag im April im TSC, um den vier neuen Edelkapitänen Demut zu lehren und sie zu prüfen, ob sie denn auch würdig seien, ihre Seelenverkäufer durch die weiten Wellen des Tegeler Sees und der Anrainermeere zu steuern. Die Begrüßung war angemessen und dem Ansehen Neptuns würdig. Wir standen der Gesellschaft gegenüber und nach einigen einleitenden Worten des Chefs, holte er sich nacheinander jeden einzelnen nach vorne, um ihn zu prüfen. Doch keiner bestand vor Neptun und wusste Antwort auf die Fragen aus seinem langen Seefahrerleben. Damit war klar: unrasiert zur See, wie peinlich (Sind das eigentlich noch Härchen unter Deinen Achseln Pauline?)! Pauline schäumte ein, ich rasierte und dann wurde mit Seewasser getauft! Dabei ließ Holgerine keinen Südwester trocken, so soll es sein. Nur der Kapitän der Macho ließ sich von seinem ersten Smutje vertreten. Wie, eine Frau an Bord? Nur gut, dass wir in der Neuzeit segeln, sonst wären wir fast neidisch geworden...

Durch die Taufe in Neptuns Gnade gefallen (und vielleicht auch durch so manches Freibier bei der anschließenden ziemlich genialen Schuppenfete mit Grille und sehr tanzbarer Musik. Also, dieser kleine DJ, ne wat'n Zuckerschnäuzchen...), wünschen wir den vier neuen Booten auf dem See und ihren Crews: "Allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter'm Kiel" (Und fahrt schön langsam vor der Liebesinsel, da pennt der Boss.)

So, Mädels, nun kommt, genug geschwatzt, Holgerine hau doch noch ne Mallblubblub raus, und Finger wech von meinem Schwanz... Hey, Paulinchen, wo sind denn die Karten hin...

Kai Jürgens

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