Der 35. Preis der Malche 2008, nur die Härtesten kommen in den Norden!

"Guten Tag und herzlich Willkommen bei unserem kleinen nachösterlichen TSC-Quiz! Unsere Preisfrage heute: Wann ist eigentlich immer Ostern?" Gut die Antworten 40 Tage nach Aschermittwoch und 40 Tage vor Himmelfahrt zählen nicht ganz. "Wenn im TSC Preis der Malche ist!" Richtig, und ist für uns alle auch einsichtig, hilft dem kläglichen Rest der Welt aber nur wenig. Bevor nun der gesamte Runde Tisch in Richtung Planetarium am Insulaner aufbricht, hier die Faustformel: Ostern wird am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert. Also gut, spielen wir das doch mal für 2008 durch: Frühlingsanfang war am 20./21.03. und exakt an diesem Freitag, dem 21.03., war auch Vollmond. Damit war Ostern am folgenden Wochenende, also am 23.03. Früher geht es wohl kaum. Und das hatte seine Konsequenzen.

Zunächst lief alles gut an, die Vorbereitungen der Wettfahrten erfolgten mit einem eingespielten Team ruhig und souverän. Aufgrund der zu erwartenden kühlen Temperaturen wurden Thermobecher als Erinnerungsgaben von Heinz Kieburg gefertigt. Obwohl während des warmen Winters hierüber gelächelt wurde, sollte sich die Entscheidung als goldrichtig erweisen. Und während Kai in den ersten warmen Frühlingstagen den Garten umgrub, hackte Jessi die Teilnehmerdaten in den Rechner. Insgesamt bewegten sich die Meldungen mit 10 420er und 26 Piraten auf dem Vorjahresniveau, obwohl der eine oder andere Piratensegler absagen musste, da er sein Boot noch nicht aus dem Schuppen hinter den Dickschiffen herausbekam. Bei 7°C Wassertemperatur war auch kein Eisgang zu befürchten, der das Abslippen behindern würde und so konnte ein freies, wunderschön aufgeräumtes Grundstück des TSC der Wettfahrtleitung Mitte März zur Verfügung gestellt werden.

Dann aber drehte sich das Glück. Mit den Tiefdruckgebieten Melli und Nanni kam kalte Polarluft nach Berlin und zudem noch Regen, Graupel und Schnee. Die Temperatur viel auf 3 bis 4 Grad. "Wir werden uns den A... abfrieren!" war die einhellige Meinung der Segler, die sich den Trockenanzug zumachten. Aber zurückziehen, nein, das kam nicht Frage. "Nur die härtesten kommen in den Norden!", meinte ein Pirat stolz und schlüpfte in die Neoprenschuhe.

Pünktlich 10:45 am Karfreitag legte Jessi mit dem Startschiff Brommel ab. Mit an Bord waren Tanja, die an diesem Tag Heike vertrat und somit eine Art Ersatzuhr war, Bommel und Ursel und natürlich die Leiterin der Raus-aufs-kalte-Wasser-Aktion Jessi. Auf den Gummibooten sorgten Paul und Flo, sowie Kai und Helmut, der Schiedsrichter aus Pirna, für ein schnelles Auslegen des Kurses. Die Starttonne wurde von der Huddel gelegt, auf der Winne und Holger bzw. Christian standen.

Auf dem See erwartete die Aktiven ein mäßiger Wind aus SW, so dass der Kurs von Hasselwerder zur Liebesinsel und über das Südufer zurück führte. Genau um 12 Uhr wurde das Ankündigungssignal gegeben und fünf Minuten später erklang ein Schuss und schickte die Piraten auf die erste Kreuz. Der Wind hatte inzwischen etwas aufgefrischt und so musste die Segler sehr schnell den Winterschlaf aus den Knochen schütteln, um mit sportlichen Manövern die Tonnen zu runden. Das klappte noch nicht immer perfekt: so legte Sascha seinen Piraten nach einem furiosen Tonnenmanöver elegant auf die Seite und stellte fast überrascht fest, dass das Wasser wärmer als die Luft war.

Der Wind blieb konstant und so ließ Jessi den Kurs komplett absegeln. Vor dem nächsten Start gab es für alle Teilnehmer heißen Tee auf dem Wasser und jetzt wurde klar, dass Thermobecher eine tolle Erfindung sind. (Es gibt übrigens noch welche. Käuflich sind sie auch, also bei der Wettfahrt melden...). Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und der Wind ließ etwas nach. Jessi startete den zweiten Durchgang verkürzt, was von allen dankend aufgenommen wurde. Schließlich freute sich doch jeder, dass die warme Dusche zum Auftauen von Händen und Füßen näher rückte.

Der Morgen des Ostersamstag zeigte die Boote mit Schnee bedeckt. So manche Schot war gefroren und musste erst im "warmen" Seewasser reaktiviert werden. Doch trotz nur 1°C fanden sich alle Segler pünktlich um elf zum ersten Start. Der Wind war geringer als tags zuvor und drehte auf W. Daher legte sich Jessi mit dem Starschiff vor den Humboldthafen und schickte die Segler zum Strandbad und zum Südufer. Der erste Durchlauf wurde ohne das letzte Dreieck beendet, da der Wind weiter drehte. Mit erneut heißem Tee wärmten sich die Segler. Der zweite Lauf des Tages wurde ebenfalls verkürzt gefahren, da der Wind zusehends weniger wurde und ein netter, kühler Hagelschauer, die Lust auf Outdoor-Aktivitäten durch negativ beeinflusste. Während die Segler sich anschließend das heiße Duschwasser über die durchgefrorenen Körper liefen ließen, zeigte sich in der Auswertung der Wettfahrten, dass es insbesondere bei den Piraten sehr eng zu ging. Noch 4 Boote kamen für den Sieg in Frage. Das würde am Sonntag noch ein spannendes Rennen geben.

Spannend wurde es besonders für Holger, der bei Kalle an Bord gehen und für die leicht erkältete Gabi einspringen sollte. Nach etlichen Jahren IF, back to the roots auf den Piraten. Doch vorher wurde noch gefeiert. Die Seglerparty mit einem tollen Buffet (Die Wettfahrt dankt Gerlinde, Heike und all den fleißigen Bullettiererinnen!!) und Tombola zog sich bis weit in die Nacht und endete mit Musik und Tanz und Hegis CDs.
Der Sonntag überraschte mit Wind aus Nord. Also ging es mal anders herum. Jessi lag vor Freia und die Kreuz ging Richtung Reiherwerder. Nach einem guten Start zogen sich die Felder der Piraten und 420er schnell auseinander. Einsetzendes Schneetreiben störte da nicht. Jessi ließ die volle Bahn segeln und sorgte damit für die Entscheidung im Klassement.

Sieger bei den 420er wurden Fabian Tang und Kevin Hammel (DYC) vor Lina Pflüger, Julian Stegmann (VSaW/KaR) und Sophie Heyer, Svenja Ehrman (JSC). Die Piratenklasse gewannen Metta Schade, Jan Lietzmann (BSC/DJC) vor Detlef Hegert, Oliver Bajon (RSG53/SCN) und Butze Bredt, Steffen Kringel (HYC/SYC). Bestes Berliner Boot waren die Björn und Marc Helms (JSC/TSC) auf Platz 6.

Im nächsten Jahr ist Ostern übrigens am 12. April und in Anbetracht der globalen Erwärmung erwarten wir die Segler dann in Badehose. Kommt zahlreich!

Kai Jürgens

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