Liebe TSCer,

wir, Erik und Thomas sind in diesem Jahr wieder viel unterwegs gewesen und wollen euch einen Überblick verschaffen, was wir so machen bzw. wie unsere Saison im Allgemeinen verläuft und wie sie dieses Jahr gelaufen ist.

Zunächst einmal für diejenigen, die es nicht wissen, Thomas und ich segeln die Bootklasse 49er (fourty-niner). Das ist eine Skiffjolle mit einer sehr großen Segelfläche, die Geschwindigkeiten von bis zu 25 Knoten, fast 50 km/h möglich macht. Der 49er ist sehr spektakulär und auf Regatten die zuschauerattraktivste Klasse. Als 49er Segler sind wir einzigartig in Berlin, deutschlandweit sind 49er hauptsächlich in Kiel und Bayern vertreten.

Nebenbei studiert Thomas seit zwei Semestern Maschinenbau an der Technischen Universität Berlin, was bisher durchaus mit dem Sportlerleben zu vereinbaren war. Das gilt ebenso für mich als Abiturient in der gymnasialen Oberstufe der Kant Schule in Steglitz.

Im letzten Herbst stiegen wir aus Gewichtsgründen vom 470er um und trainierten seitdem viel und hart. Im Herbst letzten Jahres hatten wir unsere erste Regatta im 49er und zudem gleich die Deutsche Meisterschaft. Ohne jegliche Voreinschätzung unseres Leistungsstands gingen wir am Chiemsee an den Start. Nach einigen Tagen mit wenig Wind gelang es uns auf den Gesamtplatz 5 zu segeln, was alle Trainer und Segler dort überraschte. Aufgrund dieser Leistung wurden wir für 2008 in den D/C-Kader berufen.

Im Winter trainierten wir weiter mehr oder weniger intensiv und suchten dazu oft die Kieler Trainingsgruppe auf. Der Winter endete früh und Anfang Januar zog es uns nach Mallorca, wo wir auch aufgrund des günstigen Klimas in den Wintern zuvor schon viel trainierten. Ab dem Jahreswechsel arbeiteten wir dort in Blocktrainings (2 Wochen, 1Woche, Wochenende…) zusammen mit unserem Trainingspartner aus Schwerin auf dem Wasser. Robert Remus, der schon lange in Deutschland als Segler einen Namen hat, bestritt als Sparringspartner auch die Olympiavorbereitung mit unserem Ehrenmitglied Felix Krabbe.

Ende März nahmen wir dann an unseren allerersten internationalen Großveranstaltungen teil: Zum einen die Princess Sofia Trophy (Regatta des spanischen Königshauses) und die Europameisterschaft. Bei beiden Ereignissen war uns schon vorher bewusst, dass wir eine Klatsche bekommen würden. Im Nachhinein können wir aber sagen, mehr oder weniger glimpflich davon Travemünde Britische Meisterschaft Im Zweikampf gekommen zu sein. Wir hatten lediglich einen Mastbruch, sonst aber keine weiteren Schäden. Bei den Regatten wurden wir beide Male viertbestes deutsches Team.

Nach der Rückkehr in Deutschland segelten wir nach einer Aufbauregatta in Flensburg die Kieler Woche, bei der wir unerwartet das Goldfleet erreichten. Das war eine sehr starke Leistung, weil mehr als die Hälfte dieser Flotte Olympiastarter stellte, die schon 4-10 Jahre Erfahrungen mit dem Boot bei Wettkämpfen sammeln konnten. Wir segelten danach die Travemünder Woche, die wir souverän für uns entscheiden konnten. Hochmotiviert gingen wir nach Kiel, wo unsere Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt stattfinden sollte. Drei Wochen am Stück ohne große Pausen war die Devise, nach dem Motto viel hilft viel.

Nach dem dieser harte Teil geschafft war reisten wir mit dem Bundestrainer und einem weiteren deutschen Boot nach England, dem Ort unseres Saisonhöhepunktes und zugleich des Olympiareviers für 2012. Unsere Ankunft dort war Ende August, somit noch genug Zeit für Training und für die Teilnahme einer weiteren internationalen Regatta, der britischen Meisterschaft. 37 Boote waren am Start. Nach anfänglichen Problemen mit den dort herrschenden starken Winden fanden wir dennoch sehr gut ins Regattageschehen. Am Ende erreichten wir Platz 6. Das dort herrschende Wetter war sehr „englisch“. Wir hatten viel Sturm mit Windgeschwindigkeiten von über 8 Beaufort, bei denen auch wir nicht mehr aufs Wasser gingen.

Nach diesem Event konnten wir uns erst mal zwei Wochen erholen und freuten uns auf unseren Saisonhöhepunkt, die Sail For Gold Regatta (englisches Äquivalent zur Kieler Woche), auf dem selben Revier in Südengland (Weymouth). Bei dieser Regatta sollte die Kaderausscheidung stattfinden.

Bei unserer Anreise am 10. September erlebten wir eine Überraschung. Das „englische Wetter“ war ganz und gar nicht „englisch“. Wir hatten Sonne bei wolkenlosem Himmel und 21 Grad. Nun lag auch relativ wenig Wind vor. Zur Regatta hatten wir dann immerhin 10-12 Knoten Wind. Der erste Tag der Regatta lief hammermäßig. Gleich im ersten Rennen führten wir die Flotte aus Briten, Dänen, Franzosen, Spaniern und Finnen an. Leider kenterten wir aber kurz vor der letzten Luvtonne (vor Aufregung?) und wurden noch elfte, dann dritte und sechste an diesem Tag. Danach kamen immer mal wieder gute und schlechtere Tage bei dem wir uns jedoch im Gesamtklassement unter den Top 10 halten konnten.

Vollspeed unter Gennaker Am Morgen des vorletzten Tages lagen wir auf Rang 10 und somit theoretisch qualifiziert für das Medal Race. Das ist ein Showrennen der besten 10 Mannschaften, welches am letzten Tag stattfindet und doppelt gewertet wird. Wir durften an diesem Tag also nicht mehr nach hinten fallen wenn wir ins Medal Race wollten. Es war wirklich sehr wenig Wind, als der Wettfahrtleitung das Startsignal gab. Trotz eines schlechten Starts konnten wir uns schnell in freien Wind segeln und auf die richtige Seite fahren. An der Luvtonne gingen wir bereits in Führung, die wir bis zum Ziel nicht halten konnten. Erleichtert stellten wir an Land fest, dass wir auf Position 9 vorgerückt waren.

Das Medal Race am nächsten Tag brachte jedoch keine Freude, da wir nicht wussten welches einseitige Taktische Schema bei der Windrichtung vorlag. Die Einheimischen segelten extrem mit einem Steuerbord Start hinter allen lang auf die bevorteilte rechte Seite. Wir wussten gar nicht was gespielt wird. Am Ende gewannen die Briten das Rennen mit etwa 30 Sekunden Vorsprung was im 49er bei dieser Leistungsdichte eine recht große Lücke ist.

Insgesamt veränderte sich jedoch nichts und wir konnten den 9. Platz gebührend feiern, da wir somit das Kriterium einer noch höheren Bundeskaderstufe eingefahren sind (C-Kader). Jetzt sind wir wieder zu Hause und lassen das Jahr mit der Deutschen Meisterschaft, Messeauftritten mit unserem Boot und im Winter mit einer Regatta in Spanien ausklingen. Im Großen und Ganzen war diese Saison sehr erfolgreich und wir sind Stolz in so kurzer Zeit den Anschluss an die Nationale und zum Teil auch internationale Spitze geschafft zu haben. Ich hoffe wir konnten euch etwas für unsere Segelei begeistern.

Aktuelles über uns findet ihr jederzeit auf unserer Website: www.sailingteam-hp.de

Mit sportlichen Grüßen Erik und Tomi

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