Eigentlich müsste der Blutdruck der Wettfahrtleitung mit zunehmender globaler Erwärmung sinken, reduziert sich doch mit jedem Milligramm Kohlendioxidausstoß das Risiko, dass der Preis der Malche aufgrund von Eisgang abgesagt werden muss. Denn mal ehrlich: Ein Verschieben der Veranstaltung vom angestammten Osterwochenende ist schon aus Traditionsgründen nicht wirklich eine Option, auch wenn so mancher Ausrichter von österlichen Kaffeetafeln in kleinen Orten südlich von Kiel dieses zutiefst bedauert. Und so hielt sich die Anspannung im designierten Hause J&K Jürgens bei Wassertemperaturen von minimal 4°C über den ganzen Pseudowinter 2006/2007 arg in Grenzen. Der Preis der Malche war im Gegensatz zum Vorjahr nicht gefährdet und das war auch gut so.

Anfang März trudelten schleppend die ersten Meldungen ein. Das seglerische Volk der Piraten und 420er öffnete nur langsam die Augen nach dem Winterschlaf und sortierte den Wettfahrtkalender. In Konkurrenz mit Hotspots wie Mallorca kann der TSC selten mithalten und so waren die Trainingslager für die 420er angesagter als der heimische See. Die Meldezahl mit 10 Booten erreichte so gerade die notwendige Höhe für eine Ranglistenwertung. Die Piraten scheinen nicht so sehr auf Karibik oder Südsee zu stehen. Hier zählte die harte und stark fordernde Schule des Tegeler Sees. Mit 31 Meldungen konnte eine schöne Steigerung zum letzten Jahr erzielt werden.

Und so stand endlich am Karfreitag der Platz vor dem Slip wieder mit Schiffen voll. Der Himmel war zwar grau, ließ jedoch das Wasser in den Wolken und sorgte mit frischem Wind aus Nordwest für knatternde Vorsegel und singende Wanten. Routiniert ging die Wettfahrtleitung und ihre Crew ans Werk. Die Huddel und die Gummiboote vom Nordstern und Stößensee (Unsere drei eigenen hatte die Jugendabteilung mitgenommen zum Trainingslager an die Ostsee. Daher nochmals einen ganz großen Dank an den SCN und SVSt) wurden mit Gewichten Tonnen und Leinen bestückt. Der Brommel wurde als Startschiff mit Flaggenmast und Hupe herausgeputzt. Potz Blitz erhielt einen großen TSC Stander und die Zielschiffflagge. Pünktlich um 11 Uhr legte Jessi unter lautem Hupen ab und fuhr auf den See. Vorm Wasserwerk wurden die beiden Anker ausgebracht und Bobby legte mit Christian die Startlinie aus. Paul und Jens lagen mit Tonne 2 schon bereit. Als Kai, Flo und Andrea die Luv-Tonne ausgesetzt hatten kamen die ersten Teilnehmer auf den See und freuten sich über nahezu ideale Bedingen. Der Wind blies frisch mit 3-4 Bft. aus Nordwest und zeigte die für den See typischen Dreher. Es war trocken und von Zeit zu Zeit zeigte sich sogar die Sonne. Während die Piraten und 420er langsam den See bevölkerten kamen Hanne, Wulf und Winne zum Tonnencheck. Genau um 12 Uhr ging Lima nieder und die Wettfahrt begann. Mit zwei ganz sauberen Starts schickte Jessi die Boote auf den Dreieckskurs mit Diagonale. Fünf mal galt es die Lee Tonne zu runden, bevor eine letzte Kreuz ins Ziel führte. Der Wind hatte sich in der Stärke zwar stabilisiert, doch die Dreher machten vielen Steuerleuten Kopfzerbrechen. Sie entdeckten Murphy's Law für Segler, denn egal, welche Seite der Kreuz sie wählten, immer schien es die falsche zu sein. So richtig änderte sich das in der zweiten Wettfahrt des Tages nicht, doch interessanter Weise lagen am Ende des Tages meist die gleichen vorne. Bei den 420ern zeichnete sich ein spannender Zweikampf zwischen Tim Elsner aus Rangsdorf und Fabian Tang aus Düsseldorf ab, während bei den Piraten Ralf Elsner, Karsten "Butze" Bredt und Detlef Hegert vorne lagen.

Der Morgen des Ostersamstags machte richtig Lust auf Frühlingssegeln. Ein zwar etwas böiger, doch frischer Wind aus weiterhin Nordwest und ein strahlend blauer Himmel weckten die Segler. Sonnenbrillen- und Lichtschutzfaktoralarm! Kurz nach 10 Uhr lagen die Tonnen schon wieder im glitzernden Wasser des Sees und warteten auf die Protagonisten. Auf dem Schlauchboot von Flo und Andrea hatte wie schon tags zuvor Wolfgang Hertel Platz genommen und wienerte die Linse seines Camcorders auf Hochglanz. Lange brauchte er nicht zu warten, bis sich vor seinem Sucher tolle Segelbilder zeigten. Um 11 Uhr startete Jessi die dritte Wettfahrt und schon schossen die Piraten die Kreuz hinauf. An der Tonne angekommen, gingen die Spis auf und so manches Boot kam beim auffrischenden Wind schon gleich ins Gleiten. Mit schäumender Bugwelle und mitunter halsbrecherischen Spihalsen wurde Tonne 2 gerundet. Flo gab sich alle Mühe, um mit dem Gummiboot neben dem Feld zu bleiben, um Wolfgang atemberaubende Bilder zu ermöglichen. Für die vierte Wettfahrt überlegte sich der Wind etwas neues. Er wurde zwar etwas konstanter, was die Richtung anging, doch schwankte er dafür etwas mehr in der Stärke. Was blieb, war die Sonne und so konnten die zahlreichen Zuschauer auf dem Wasser die tollen Zweikämpfe auf Kreuz, unter Spi und an den Tonnen erleben. Am Ende des Tages hatte sich bei den 420ern eine Pattsituation eingestellt: Tim Elsner und Fabian Tang hatten jeder zwei erste und zwei zweite Plätze ersegelt. Bei den Piraten lagen Detlef Hegert und Ralf Elsner gleichauf, Butze Bredt hielt die Lauerstellung. Der fünfte Kurs am Ostersonntag musste in beiden Klassen die Entscheidung bringen.
Doch vorher wurde ausgiebig gefeiert. Gerlinde hatte ein umfangreiches Büffet unter die Fürstenterrasse gezaubert, Holger und Christian schwangen die Grillzangen und aus den Boxen der neuen Musikanlage drang tanzbares. Jessi brachte Tombolapreise unter das johlende Volk und Wolfgang zeigte das in einem Husarenritt gefilmte und zusammengeschnittene Ergebnis zweier wundervoller Regattatage, die erst sehr spät unter den Heizstrahlern auf der Terrasse bzw. am Runden Tisch ausklangen.

Es war Ostersonntag, der Tag der Entscheidungen. Eine letzte Wettfahrt lag an. Der Wind hatte leicht rechts gedreht, kam NWN. Jessi legte die Luvtonne direkt vor die Försterbucht und versteckte sich mit dem Startschiff fast im TSV. Mit Tonne 2 vorm Südufer hatte sie den See komplett ausgenutzt. Längere Kurse gibt es kaum. Die Dreiecke waren der Entscheidung würdig. Die Piraten starteten zuerst. Detlef Hegert (RSG53) mit Vorschoter Oliver Bajon (SCN) dominierte das Feld und hatte die richtigen Riecher für Dreher und Aussetzer. Sie gewannen mit einem halben Schenkel Vorsprung. Damit hatten sie sich auch den Preis der Malche gesichert. Ralf Elsner (SVR) mit Ehefrau Eva konnten hier nicht mehr eingreifen, behielten jedoch aufgrund der Vortagesergebnisse den zweiten Platz in der Gesamtwertung vor Karsten "Butze" Bredt (HYC) mit David Blass (BSV'79). Bei den 420ern erwischten die beiden führenden Boote einen schlechten Start, doch war ihr Vorsprung vor den Verfolgern zu groß, als dass diese gefährlich werden konnten. Es ging lediglich darum, wer von beiden am Ende vorne liegen würde. Entschieden wurde das Rennen auf der zweiten Kreuz, als Tim Elsner die günstigere Kreuzseite erwischte und Fabian Tang entwischte. So erkämpfte Tim (SVR) mit Vorschoterin Bianca Hein (WSV1921) den Preis der Malche vor dem punktgleich dahinter liegenden Boot von Fabian Tang (DYC) und Kevin Hammel (DYC). Dritte wurden Doreen Hubner (YCBG) und Laura Klatt (SVSF).

Sonne, Wind und Spannung, das sind genau die richtigen Zutaten für die österliche Kaffeetafel á la TSC. Genießen wir es also und freuen uns auf solche Bedingungen bei unseren Clubwettfahrten und den TSC-Regatten in diesem Jahr. Gut Wind, Ahoi!

Kai Jürgens

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