World Cup Hyères - Ein kleines "Happy End"

2015 49er 06In der vergangenen Woche fand in Hyères der 2. Weltcup der Saison statt. An dieser Regatta durften nur die besten 30 der Welt und 10 weitere Teams, welche sich zuvor bei der Princess Sofia Trophy auf Mallorca  qualifizieren mussten, teilnehmen. Es stand uns eine neue Herausforderung bevor, denn es sollten alle Boote in einer Gruppe starten, ohne die gewohnte Aufteilung in Gelb-/Blau- und später Gold-/Silbergruppe. Es war also bis zum Medalrace am letzten Tag alles möglich. Eine abwechslungsreiche Woche stand uns bevor.

Am ersten Tag fiel uns der Einstieg in die Regatta schwer, bereits am Start unterliefen uns kleine Fehler, welche sich auch im Ergebnis der Wettfahrten widerspiegelten. Bei einem solch starken und großen Feld schenkt sich niemand etwas und es war deutlich schwieriger aufzuholen als wir es gewohnt waren. Eher unzufrieden aber trotzdem motiviert beendeten wir den ersten Regattatag auf Platz 29.

2015 49er 07Mit dem Ziel unsere Fehler vom Vortag auszumerzen, gingen wir erwartungsvoll und hochkonzentriert in den zweiten Tag. Direkt im ersten Rennen passierte dann das Unerwartete: Unsere Saling brach an der ersten Gate-Marke! Wir mussten die erste Wettfahrt abbrechen und an Land geschleppt werden. Glücklicherweise waren die deutschen 49erFX Frauen und ihre Trainer Max Groy und Tobias Schadewaldt noch im Hafen. Unser Trainer informierte alle noch auf dem Wasser. Als wir die Sliprampe erreichten, standen alle schon mit dem neuen Mast bereit und es ging sofort ein ameisenartiges Gewusel los. Jeder drehe an irgendeiner Schraube oder knotete Seile zusammen. In unglaublichen 12 Minuten wurde unser Mast komplett gewechselt und wir fuhren mit einem top getrimmten Rigg wieder aus dem Hafen. Als wir um die Molenspitze bogen, war die zweite Wettfahrt des Tages noch nicht gestartet! Wir könnten es also schaffen an den Start zu gehen. Als wir an der Startlinie ankamen hatten wir sogar noch eine Minute und 30 Sekunden - es reichte gerade so!

An dieser Stelle ein großes Danke an alle. Ohne diese Unterstützung im „Boxenstopp“ hätten wir den Tag nicht mit einem 5. und 1. Platz beenden können.
Als 12. im Gesamtklassement starteten wir in den dritten Wettfahrttag. Bei relativ konstanten 3-4 Windstärken konnten wir an die tollen Ergebnisse vom Vortag anknüpfen und gewannen promt das erste Rennen des Tages! Es folgten ein 13. und ein 2. Platz. Am Tagesende standen wir als Gesamt-Vierte in der Liste.

2015 49er 08Der letzte Tag vor dem Medalrace brachte ein Auf und Ab mit sich. Wir verloren trotz nur eines guten aber zwei schlechten Einzelergebnissen keinen Platz in der Gesamtwertung. Wir ließen jedoch viele Punkte an diesem Tag, was die Ausgangsposition für das folgende Medalrace verschlechterte. Im Medalrace konnten wir noch 1 Platz gewinnen aber auch drei verlieren. Das drittplatzierte Team aus Australien Gilmour/Mara konnte hingegen nichts mehr gewinnen, sich aber nur um einen Platz verschlechtern, wenn wir im letzen Rennen mehr als drei Boote vor ihnen wären. Wir nahmen daher an, dass die beiden als erfahrene Matchracesegler den Kontakt zu uns suchen und entsprechend allein gegen uns segeln würden.

Doch es kam ganz anders. Viel Wind und eine außerordentlich garstige Welle herrschte auf dem Medalracekurs, der bei dem auflandigen Wind nur gute 50 Meter von der Hafenmole entfernt lag. Zum Segeln für 49er schon grenzwertig. Ein Matchrace war dabei kaum möglich, doch auch die drei Runden heil um den Kurs zu kommen war eine große Herausforderung.

2015 49er 09Wir starteten etwas aggresiv mit Steuerbordbug auf die rechte Kursseite, die wir zwar dominierten, sich jedoch als schlechtere Wahl herausstellte. Trotzdem kamen wir als 5. an der ersten Wendemarke an. Die Australier lagen allerdings auf 3. Wir gaben alles, denn niemand konnte wissen, was bei diesen Bedingungen noch passieren würde, auch mussten wir natürlich gegen drei andere Boote verteidigen.

Der Wind nahm wärend dieser Wettfahrt noch etwas zu und auch die Welle wurde - wie wir sagen - zorniger. Und dann ging es ganz schnell: Auf dem zweiten Vorwind kenterten die Australier. Jetzt ging es plötzlich wirklich ums Treppchen! Wir gaben alles, stellten unsere Technik für die letzte Runde auf maximale Sicherheit um. Nur sauber in Ziel fahren.

Am Ende wurden wir sogar zweite im Medalrace, denn dem letzten Vorwind kententen noch vier weitere Teams. So schlossen wir die Regatta dann gesamt überglücklich als Dritte ab. Bronzemedaille in Hyeres! Wir betrachten es als cooles „Happy End“ nach einer ereignisreichen Regatta.

Unsere Teamkollegen und Freunde Justus Schmidt und Max Böhme waren uns dicht auf den Fersen und als Gesamt-Sechste sind sie zu einer starken Konkurrenz geworden. Wir freuen uns sehr über diese Entwicklung und die wachsende Stärke unserer Trainingsgruppe.

2015 49er 10Mit dem Ergebnis dieser Regatta haben wir die Qualifikation für die Teilnahme an den Preolympics im August in Rio gesichert. Mit dem Speed unseres Bootes, der zunehmenden Sicherheit sowie Selbstvertrauen werden wir dann im Juli die Nationenquali schaffen und so den letzten Schritt zur Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 zu gehen.

In einer Woche geht es am Gardasee mit dem Eurosaf-Event in Riva weiter. Anschließend stehen ein paar Tage Erholung auf dem Plan. Bleibt dabei, wenn es spannend weitergeht.

Bis bald euer Tomi & Erik

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