Die Hochzeit von Kai und Jessi

Eigentlich kann ich diesen Text ja gar nicht schreiben; eigentlich sollte ich diesen Text gar nicht schreiben und eigentlich schreibe ich diesen Text ja auch gar nicht. Ich schwärme diesen Text, denn ich bin durchaus nicht objektiv und als Hauptperson der Veranstaltung sicherlich ohne den notwendigen Überblick. Aber vielleicht macht gerade diese Zusammenstellung die gewisse Authentizität aus, die Texte zu Gernlesetexten macht.

Die Geschichte jedenfalls beginnt ja schon viel früher. Sie beginnt, wo sehr viele Geschichten in diesem unseren Club beginnen: am Runden Tisch, an einem Mittwoch im Sommer 2004. Und um ehrlich zu sein, es war nicht nur dieser eine Mittwoch, sondern da war auch noch ein ähnlicher Samstag und ein Sonntag und irgendwie noch so ein Mittwoch und so fort. Jedenfalls an diesem Mittwoch nahm mich zwischen zwei Kugeln ein wohlmeinender Kamerad zur Seite und fragte mich, ob die junge Frau Berger, die Jessi also, nicht das richtige für mich sei. Es gab zwei Dinge, die mich bei dieser Frage stutzen ließen: Zum einen war ich damals in festen Händen und das wusste der Kamerad auch, und zweitens fragte ich mich, warum eben dieser Kamerad sich gerade vertrauensvoll zu eben dieser Jessi gelehnt hatte. Viel, viel später erst sollte ich Antworten hierauf bekommen.

Wie es genau dazu kam, sollte Stoff für Legenden bleiben, jedenfalls war ich im November des gleichen Jahres mit Jessi zusammen und irgendwie bekam der schon erwähnte Kamerad das Superbreitbildgrinsen nicht mehr aus seinem Gesicht heraus, wenn er uns beide im Club sah. Für mich war jedoch schnell klar, dass er irgendwie recht hatte, als er von Jessi, als der richtigen für mich sprach. Und so kam es, dass wir beide das erste Mal von Heirat und Hochzeit sprachen, als wir kurz vor Weihnachten nach Kiel zu meinen Eltern fuhren, sozusagen auf Jessi-Vorstellungs-Tournee. Zuhause wohlwollend aufgenommen, gingen wir abends zu meinem besten Freund und Pastor auf seinen Geburtstag. 6 Stunden und etlichen Rotwein später, saßen wir als letzte Gäste in seinem Amtszimmer. Gerade mal 4 Wochen zusammen und schon ein erstes Traugespräch, holla, das ist mal ein Tempo.

So hat es dann die meisten nicht groß verwundert, dass wir im folgenden Jahr uns selbst ein kleines Nest in Tegelort suchten und bereiteten. Und dass ich dann abermals 12 Monate später bei 0° C in einem weißen Anzug an meiner eigenen Haustür klingelte und einer bebademantelten, ziemlich verwunderten, aber dann doch höchst beglückten Jessi die alles entscheidende Frage stellte, hat in der letzten Weihnachtssitzung schon so manche Träne und manchen Schnaps gefordert.

Bezüglich des Ablaufes der Hochzeit war zumindest mir sehr schnell klar, was ich mir erträumte. Es sollte groß werden, mit all den Freunden und Kameraden. Es sollte schön und romantisch werden, mit einem Spaziergang in Brautkleid und Anzug mit der ganzen Gesellschaft. Es sollte festlich werden, mit meinem Freund Christoph als unserem Pastor. Und es sollte natürlich maritim werden, mit einer Fahrt über den See und einer Feier im Club.

Und genauso kam es, und das bringt mich zum Schwärmen zurück.

Die Nacht von Freitag auf Samstag war für die (nach gesetzlichen Bestimmungen zwar schon, aber gefühlt noch nicht ganz) Eheleute Jürgens unruhig. Ich war viel zu aufgeregt, um einen ruhigen Schlaf zu finden und war deshalb richtig froh, als ich um 7 Uhr aufstehen durfte, um Frühstück zu machen. Gegen 11 Uhr verließ Jessi das Haus, um sich in eine Braut verwandeln zu lassen. Ich blieb zurück, tigerte ziellos durchs Haus und machte mich schließlich zum Bräutigam. Pünktlich um eins klingelte der Kamerad, von dem im Vorfeld schon die Rede war und der mich zum Club bringen wollte. Sein Schiff sollte unser Brautschiff sein. Ich kam im Club mit leicht nervösen Knien an. Und staunte nicht schlecht: Der Club hatte sich auf das allerschönste herausgeputzt. Vor der Veranda überdeckten drei große Pavillonzelte die Terrasse, darunter fanden etwa 70 Personen an festlich gedeckten Tischen Platz. Im Saal war eine lange Tafel als Hochzeitstisch aufgebaut, an dem unsere Familien sitzen sollte. Drum herum und in der Veranda selbst waren weitere Tische herrlich eingedeckt. Die Fürstenterrasse war freigeräumt, dort sollte am Abend das Buffet aufgebaut werden. Im Hafen lag die Macho am Ausrüstungssteg mit weißen Bändern und grünen Kränzen an der Reling und über die Toppen geflaggt. Aber nicht nur unser Brautschiff war geschmückt, weitere Schmuckstücke verbargen sich in ihren Ständen und warteten nur darauf, mit uns auszulaufen. Kurze Zeit später war es dann soweit. Ich war sichtlich nervös, als ich aufs Schiff stieg. Hilmar rief mir noch nach, dass genau jetzt die richtige Zeit sei, umzukehren und als Junggeselle ein lustiges Leben zu führen. Aber ich wollte nicht. Nicht mehr. Lange hatte ich die Entscheidung, Jessi zu fragen aufgeschoben, doch jetzt war ich mir so sicher, wie ich es noch nie war in meinem Leben. "Leinen los, Hanne! Bring mich zur Kirche, bring mich in den Hafen der Ehe!" rief ich aus der Plicht zum Bug. Von Bommel, Jens, Hauke und Bodo auf Ihren Schiffen begleitet, fuhren wir nach Tegel an die Greenwich-Promenade. Dort festgemacht, lief ich schnurstracks zur Kirche hinauf.

Dort war ein Großteil der Gesellschaft schon da. Hinzukommend stand eine zweite Gesellschaft bereit: Diese waren vor uns dran, doch noch fehlte die Braut. Ich war schon etwas erleichtert, als diese kam und wir den Kirchplatz für uns hatten. Der eine oder andere stärkte sich noch schnell mit einer Bratwurst, aber ich war zu aufgeregt, um ans Essen zu denken und schließlich hatte es bei Hanne dankenswerter Weise noch ein Stärkungsschnittchen gegeben.

Schließlich konnten wir in die Kirche hinein. Meine Mam und mein Ol’Man schmückten sie noch schnell hingebungsvoll und schon strömte das Volk hinein. Spätere Zählungen ergaben, dass 183 Gäste unseren Gottesdienst verfolgen wollten. Ich stand noch vor den Toren und wartete zusammen mit Christoph und Jule und Flo unseren Trauzeugen auf die Braut. Ja, ich war sehr nervös. Da kam Dietmar mit seinem Mercedes. Auf der Motorhaube prangte ein großer TSC Stander umrahmt von einer mit Tampen geschmückten Girlande. Perfekt! Der Wagen hielt genau vor dem Kirchenportal und die Beifahrertür wurde geöffnet. Ich schritt hinzu, in der Linken den Brautstrauß, die Rechte reichte ich der Braut zum Ausstieg und in der Brust schlug mein Herz Purzelbäume. Oh, was ist sie wunderschön. Jessi in einem cremefarbigen, zweiteiligen Brautkleid mit einem Schleier in den Haaren. Sie ist so wunderschön und sie ist an meiner Seite. Ich betrachte sie voller Bewunderung und Begeisterung und führe mit Stolz zur Kirche. Moni, das Kleid ist eine Wucht! Christoph stellte sich zu uns und schritt als erster in die Kirche. Die Gemeinde stand und sah uns begeistert zu, wie wir in den Altarraum schritten und auf den Brautstühlen Platz nahmen. Mein Puls ist bei 180, Christoph beginnt den Gottesdienst und mir schießen vor Glück die Tränen in die Augen. Jessi an meiner Seite, Christoph, einer meiner besten Freunde und langjähriger Weggefährte vor mir, so habe ich es mir gewünscht und so ist es nun, welch ein Glück. Während des ersten Liedes fasse ich mich wieder, lächele zu Jessi hinüber. Ja, ich bin mir sicher, hier will ich sein, zu Dir gehöre ich. Und kurze Zeit später lasse ich dieses die ganze Welt wissen: Christoph bittet mich um mein Trauversprechen und mit einer Stimme, die meine innere Überzeugtheit nur unzureichend ausdrücken kann, antworte ich, dass ich will, mit Gottes Hilfe und bis dass der Tot uns scheidet. Jessi schaut mir dabei tief in die Augen und antwortet dann ebenso und sichtbar von gleichen Gefühlen geleitet.
Ein emotionaler Augenblick, der wunderbar von Cordulas Gesang abgerundet wurde. Christoph segnete uns und Luisa, Hanna und meine kleine Nichte Sarah liefen als unsere Blumenmädchen vor uns aus der Kirche heraus. An der Tür blieben wir beide unter einem Lasersegel, stehen und Nicki, Christophs Sohn und mein Patensohn spielte uns auf seiner Trompete. Anschließend ließ es sich Christo nicht nehmen, seiner Posaune den Hochzeitsmarsch zu entlocken.

Vor der Kirche im Sonnenschein eines wunderbar warmen Spätaugusttages nahmen wir so viele Glückwünsche entgegen, dass mir die Hand wehtat. Ein Gruppenbild musste sein und die Treppe der Kirche platzte fast, als wir uns alle aufstellten. Dann gingen wir langsam zur Greenwich-Promenade hinab. Die Passenten blieben stehen und betrachteten die Prozession. Mancher wünschte sich sicher an meine Stelle, kann ich gut verstehen, das gibt es aber nicht.

Als wir den Steg erreichten, war der Anblick der geschmückten Schiffe grandios. Ein Schild am Zugang zum Steg verkündete von unserem Glück. Zusammen mit Moni und Peter, so wie meinen Eltern und Hanne und Gisi gingen wir an Bord der Macho und nach etlichem Winken legten wir ab. Die übrige Gesellschaft verteilte sich auf die anderen Boote oder spazierte in der Sonne am Ufer in Richtung Clubgelände.

Wir drehten derweil auf den See. Mam stand am Steuer und lenkte souverän. Jessi und ich posierten auf dem Heck und am Bug für ein paar hübsche Bilder, die Dagmar, unsere Fotografin und Hilmars Schwägerin unablässig von einem Schlauchboot aus von uns schoß. Um uns herum die anderen TSC-Boote mit fröhlichen Menschen, die sich mit uns freuten. Schließlich legten wir Kurs auf den Club und landeten unter Beifall an. Herrlich, es war wie eine Heimkehr. Der wundervoll geschmückte Club. Flaggen und Luftballons überall, das Brautauto stand stolz vor der Terrasse und wir beide mitten drin. Eine tolle Atmosphäre.

"Komm Kai, Esox ist bereit!" ruft mir da Kete zu. Ich fasse Jessi und leite sie den Steg hinab zu dem Holzdrachen, den Marc und Kete im letzten halben Jahr in mühe- und liebevoller Handarbeit restauriert haben. Schuhe aus und ab an Bord. Wir legen ab. Dagmar postiert sich an der Mastleiter und macht Bilder. Die Jungs verstecken sich in der Plicht und so sieht es so aus, als wenn Jessi und ich auf einem wunderschönen Schiff in unser neues, gemeinsames Leben fahren. Wundervoll.

Wieder an Land durften wir beide einer Herde weißer Ballons die Freiheit schenken. Seien sie Boten unseres Glücks! Dann gesellten wir uns zu unseren 237 Gästen und genossen ein Gläschen Sekt. Ich fühlte mich großartig und das sagte ich den anderen auch. Ein paar Worte und einen großen Dank an Familien Girle später eröffneten wir beide dann das Buffet, welches so gut war, dass es wohl keinen Wunsch offen ließ. Ich war jedenfalls wirklich gut gesättigt.

Anschließend ergriff zuerst meine Großmutter das Wort und wünschte uns mit einer sehr bewegenden Ansprache alles Gute. Daraufhin ließ sich Peter nicht bitten: Er ergriff zwar nicht so sehr das Wort, dafür aber eine große weiße Tafel und den Zeichenstift. Mit wenigen, aber sehr gekonnten Strichen illustrierte er, begleitet von humorvollen Anmerkungen seine ersten Erfahrungen mit dem Kerl, der jetzt sein niegelnagelneuer Schwiegersohn ist und den Gang seiner Tochter ins Eheleben. Höchst amüsant. Schließlich griff auch Ol’Man zum Mikro und brachte mich mit seinen sehr persönlichen, warmen und herzlichen Worten wieder an den Rand der Freudentränen. Und meine Frau; wie ich aus dem Augenwinkel sehen konnte; auch (übrigens auch seine Frau).

Geschenke wurden überreicht und Jessi startete eine neue Modeserie, indem sie das Brautkleid mit grünen Taucherflossen kombinierte um Luftballons zu zertreten, während ich versuchte mit Boxhandschuhen hinter ihr sauber zu machen. Ein besonderes Highlight war jedoch der Song, den Micha Dzembritzki mit Jule und Paul vortrug. Von wegen, ich fahre im Opa-Stil! Ha, ich fahre nur so, um den Wagen von meinem Opa zu schonen. Und was heißt hier eigentlich "Wanderbaustelle"?! Ich hatte beim Cart-Rennen doch "nur" 7 Runden Rückstand auf die Spitze!

Endlich für viele unruhigen Beine, standen Jessi und ich ganz alleine und eng umschlungen bei nur spärlicher Beleuchtung... ... mitten auf der Tanzfläche und konnten zeigen, dass es sich auszahlt, direkt nach dem JungesellenInnen-Abschied Tanzstunden zu nehmen. Die Tanzfläche war danach offen und wurde gut besucht. Derweil standen Jessi und ich dann doch ganz alleine und engumschlungen bei nur spärlicher Beleuchtung an der Brüstung der Terrasse und schauten auf die Malche in der auf dem Prahm eine Vielzahl von Kerzen ein großes "J Herz K" bildeten. Und als durch unglückliche Winde sämtliche Krepppapier Kerzenschirmchen fast Feuer fingen, flüsterte ich Jessi ins Ohr: "Ja ich habe Feuer gefangen und liebe Dich..."

Um Mitternacht gab es dann mit dem Anschnitt der Hochzeitstorte den letzten offiziellen Akt für uns beide und das war auch gut so. Denn danach fiel das Sakko und es wurde eine lange Nacht auf der Tanzfläche.

Jessi und ich möchten uns bei Euch allen bedanken, die Ihr dabei wart, vorbereitet, nachbereitet, mitbereitet oder sonst wie bereit ward, die ihr uns geholfen, unterstützt, begleitet, oder verleitet habt, die Ihr Euch mit uns, für uns, über uns, durch uns und auf uns gefreut habt, und die Ihr an uns gedacht habt.

Einen ganz großen Dank dem TSC! Dafür, dass Ihr unseren Traum verwirklicht habt!

(Und special thanks an Hanne, den Kameraden, der vieles erst möglich machte und dem der Kuppler-Pelz prima steht!)

PS: Die Bilder zum Event sind im übrigen im Internet zu finden. Details gibt’s dazu bei mir.

Kai Jürgens

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